Im Dunkeln und ohne Aufzug: Wie eine blinde Seniorin den Krieg in Kiew überlebt.
Ein Leben im Ausnahmezustand
Nach Angaben von TSN.ua: Im Kiewer Stadtteil Desnjan lebt die 88-jährige, blinde Valentyna Vasylenko. Ihr Alltag ist ein fortwährender Kampf gegen die Folgen der russischen Angriffe auf die Energieinfrastruktur. Die Frau ist schwerbehindert (Grad I), ihr mit ihr lebender Sohn Oleksandr ist ebenfalls behindert (Grad III). Ihr größtes Problem sind die ständigen Stromausfälle, die das Leben massiv erschweren. Seit Dezember 2022 funktioniert zudem der Aufzug in ihrem Wohnhaus nicht mehr – eine enorme Hürde für die eingeschränkte Mobilität der Familie.
Zwar gibt es Heizung in der Wohnung, doch die planmäßigen Stromsperren stellen Valentyna und ihren Sohn vor zusätzliche Probleme. Oleksandr erhält eine Rente von 3.000 Hrywnja, Valentyna bekommt knapp 12.000 Hrywnja. Trotz dieser Summen reicht das Geld nicht aus, um sich bezahlte Hilfsdienste leisten zu können. Die Familie lebt am finanziellen Limit.
„Der Familie wurde angeboten, Lebensmittel nach Hause zu bringen, doch aufgrund von Valentyna Sawiwnas Rente gilt das für sie als kostenpflichtige Dienstleistung.“ – Serhij, Vertreter des Sozialschutzes
Zu all den Belastungen kam für Valentyna ein weiterer schwerer Schicksalsschlag hinzu: Am 6. Februar 2023 starb ihr leiblicher Bruder. Dieser Verlust traf die ohnehin schon schwer geprüfte Frau tief. Dennoch gibt Valentyna die Hoffnung auf eine bessere Zukunft nicht auf.
Hilfe, die nicht ankommt
Die Behörden bestätigen den besonderen Bedarf: Valentyna Vasylenko ist 'schwerbehindert (Grad I) und lebt mit ihrem Sohn Oleksandr (behindert, Grad III) zusammen'. Dieser Status unterstreicht, dass beide auf besondere Aufmerksamkeit und Unterstützung durch Staat und Gesellschaft angewiesen sind.
Die Situation der beiden ist nur ein Beispiel von vielen, das zeigt, wie der Krieg das Leben der Schwächsten in der Gesellschaft beeinträchtigt. Obwohl soziale Dienste Hilfe anboten, lehnte die Familie einen Sozialarbeiter ab – ein Zeichen für ihre Isolation und die Schwierigkeiten, Unterstützung anzunehmen. Solche Fälle verdeutlichen die komplexen psychologischen und praktischen Hürden in der Kriegssituation.
Während die Energieinfrastruktur des Landes weiter attackiert wird, erinnern Geschichten wie die von Valentyna daran, wie wichtig Solidarität mit den Schutzbedürftigsten ist. Um ihre Lage zu verbessern, müssen soziale Unterstützungsmaßnahmen verstärkt werden, insbesondere für Menschen mit Behinderungen, die durch den Krieg in prekäre Verhältnisse geraten sind. Es ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, den Zugang zu lebensnotwendigen Ressourcen für diese vulnerablen Gruppen sicherzustellen, damit sie ein würdevolles Leben führen können – trotz aller Widrigkeiten.
Lesen Sie auch
- Kiews Stadtplan ist 25 Jahre alt: Bis 2028 müssen neue Konzepte her
- Kiews historische Prachtstraße verfällt: Mehr als die Hälfte der Sehenswürdigkeiten ist geschlossen
- Bildungsminister bezeichnet Forderung nach Abschaffung von Mathe im Zulassungstest als absurd – Hintergründe
- Aufschub für Väter und Mütter behinderter Kinder: Sozialleistungen spielen keine Rolle
- Neue Berechnung der staatlichen Hilfen: Diese Gruppen müssen jetzt einen Antrag stellen
- Vorrang im Straßenverkehr: Wer darf zuerst fahren – Straßenbahn oder Pkw?

