Ukraine: Warum der Staat sein Gewaltmonopol bei der Mobilisierung verlor.
Das Phänomen der 'Busifizierung' in der Ukraine
Nach Angaben von TSN.ua: Die sogenannte 'Busifizierung' – das gewaltsame Vorgehen von Privatpersonen gegen Mobilisierungsflüchtlinge – ist ein Symptom für ein staatliches Versagen. Der ukrainische Soldat und Publizist Pawlo Kasarin weist darauf hin, dass ein Rückgang der Freiwilligenmeldungen für lange Kriege typisch ist. Die aktuelle Lage offenbart eine institutionelle Schwäche des Staates im Mobilisierungsprozess, die schwerwiegende Folgen für die Verteidigungsfähigkeit des Landes hat.
Der Krieg in der Ukraine dauert nun bereits 4 Jahre an. In dieser Zeit hat sich die Haltung der Bevölkerung zur Mobilisierung stark gewandelt. Im Februar und März 2022 gab es noch Schlangen vor den Wehrkommissariaten, was auf eine breite gesellschaftliche Unterstützung zu Kriegsbeginn hindeutete. Mit der Zeit jedoch nahm die Bereitschaft zum freiwilligen Dienst spürbar ab.
„Das Phänomen der 'Busifizierung' ist nur deshalb entstanden, weil es kein zentralisiertes Instrument des Zwangs für jene Menschen gibt, die sich dem Militär anschließen müssten.“
Pawlo Kasarin
Dies unterstreicht die Notwendigkeit, effektivere Mechanismen für die Einberufung von Reservisten zu schaffen.
„Wenn der Preis für die Ignorierung eines Einberufungsbescheids so hoch wäre, dass die Person bei Erhalt versteht, es gibt keinen anderen Ausweg und man muss zum Wehrkommissariat kommen, dann gäbe es keine Notwendigkeit für diesen grassierenden Zwang von unten.“
Pawlo Kasarin
Der beobachtete Rückgang der Freiwilligenmeldungen ist somit ein charakteristisches Merkmal jedes langwierigen Krieges. Es gilt, wirksame Lösungen zu finden, um die Verteidigungsbereitschaft der Ukraine unter den Bedingungen eines andauernden Abnutzungskrieges aufrechtzuerhalten.
Die sinkende Freiwilligenquote kann auf eine kriegsmüde Gesellschaft und das Fehlen einer klaren staatlichen Politik zur Einbindung der Bürger in die Verteidigungsanstrengungen hindeuten. Dies macht eine strategische Neuausrichtung der Mobilisierungspolitik dringend erforderlich, um die Kampfkraft der Streitkräfte zu sichern. Angesichts der anhaltenden Bedrohung durch den Aggressor ist die Stabilität und Effizienz der Mobilisierungsprozesse entscheidend, um die Landesverteidigung nicht zu gefährden. Die Debatte zeigt, wie sehr der Krieg auch die gesellschaftlichen und staatlichen Strukturen belastet.
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