Moshchun: Vom Frontdorf zum Mahnmal – 28 Tote und ein 5-Hektar-Gedenken.
Ein Dorf im Krieg
Nach Angaben von TSN.ua: Das Dorf Moshchun wurde zu einem entscheidenden Frontabschnitt während des großangelegten russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine. Mit seinen rund tausend Einwohnern geriet es bereits in den ersten Kriegstagen unter schweren Beschuss. Bei den erbitterten Gefechten fanden 28 Menschen den Tod. Unter den Opfern ist auch Badri Lolashvili, der am 12. März 2022 starb. An der Stelle seines Todes erinnern heute 123 Tafeln mit Porträts der Getöteten an die Geschehnisse; das gesamte Mahnmal erstreckt sich über eine Fläche von mehr als fünf Hektar.
Die Erinnerungen der Dorfbewohner
Ljudmyla Lomejko, eine 87-jährige Bewohnerin, schildert die Schrecken der Angriffe:
„Am 24. um 5 Uhr morgens bombardierten sie Hostomel... Am 5. März schlug bei mir eine Granate ins Haus. Da flogen Leuchtspurgeschosse und Brandbomben. Wenn Gott nicht gewesen wäre – alles wäre in einem Höllenfeuer verbrannt.“ - Ljudmyla Lomejko
Eine andere Dorfbewohnerin, Lidia Saika, erinnert sich an die ständige Angst im Alltag: „Es gab etwas zu essen, aber man hatte solche Angst. Einmal dachte ich: Wenn sie mich schon töten, dann wenigstens nicht mit leerem Magen. Sobald beim Nachbarn das Haus zu brennen anfing, schöpfte ich Wasser aus dem Brunnen und goss es über meinen Schuppen, bis der Schiefer zischte.“
Moshchun steht symbolisch für den heldenhaften Widerstand der Zivilbevölkerung, die unter Kriegsbedingungen ums Überleben kämpfte. Larissa Lolashvili, die Witwe des getöteten Badri, spricht über ihren Schmerz: „Wir hofften, er sei im Krankenhaus oder in Gefangenschaft. Dann fanden sie ihn am 56. Tag hier im Schützengraben.“ Sie betont auch die Bedeutung des Gedenkens: „Ich muss von jedem Einzelnen erzählen. Denn wenn nicht ich, wer dann? Die anderen Ehefrauen haben keine Kraft mehr, sie ziehen die Kinder groß, die Eltern sind verzweifelt. Deshalb muss ich diese Namen suchen.“
Trotz aller Zerstörung läuft in Moshchun der Wiederaufbau zerstörter Häuser im Rahmen des Programms ‚e-Wiederaufbau‘. Die Bewohner kämpfen weiter für ihr Leben und ihre Zukunft und beweisen dabei einen ungebrochenen Willen. Diese Geschichte zeigt nicht nur die tragischen Folgen des Krieges, sondern auch die Widerstandskraft und den Mut der Menschen in Moshchun. Unter ständiger Bedrohung bauen sie ihre Häuser wieder auf und bewahren das Andenken an die Toten – ein wesentlicher Teil ihres Weges der Verarbeitung und des Neuanfangs. Das Gedenken an die Opfer ist zu einem zentralen Bestandteil ihres Lebens geworden, der hilft, die Geschichte wachzuhalten und den Gemeinschaftssinn in schweren Zeiten zu stärken.
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