Kiews marode Leitungen: Personalmangel bei Notdiensten und die Frage nach der Haftung.
Ein chronisches Problem: Leckgeschädigte Wohnungen in Kiew
Nach Angaben von TSN.ua: In Kiew reißen Wasserrohre mit alarmierender Regelmäßigkeit. Der Krieg und die winterlichen Temperaturen verschärfen die Lage zusätzlich. Die wenigen verfügbaren Handwerker können die Flutschäden kaum bewältigen, was für die Bewohner erhebliche Belastungen bedeutet. Aktuell ist nur ein Klempner für jeweils 30 Häuser zuständig, und nachts sind pro Stadtbezirk lediglich drei Notfallteams im Einsatz. Die Arbeitslast für die Notdienste hat sich mindestens verzehnfacht, was eine schnelle Reaktion nahezu unmöglich macht.
Rechtliche Grauzonen und die Not der Betroffenen
Mieter wie Kateryna Lysenko und Iryna Vovkula erleben die Folgen hautnah. Kateryna Lysenko schildert:
„Es lief aus allen Ritzen, an den Wänden entlang, aus verschiedenen Löchern. Ich habe eine Stunde lang bei den Notdiensten angerufen.“ — Kateryna Lysenko
Iryna Vovkula ergänzt: „Sie haben die Tür aufgebrochen, weil es sein musste. Da war ein Loch im Heizkörper.“ Der letzte freie Tag des Klempners Yuriy Shadura, der seit 23 Jahren im Notdienst arbeitet, war Neujahr – ein deutliches Zeichen für den enormen Druck, unter dem die Teams stehen.
Auch rechtlich ist die Situation für Geschädigte heikel. Das Gesetz erlaubt den Zutritt zu einer fremden Wohnung nur in Anwesenheit der Polizei oder eines Vertreters der Hausverwaltung. Der Anwalt Lavrentiy Tsaruk weist auf die entscheidende Bedeutung einer korrekten Dokumentation für Schadensersatzansprüche hin. Seiner Aussage nach muss zunächst die Wohnungsverwaltung (ZhEK) ein Protokoll über die Ursache des Lecks erstellen.
Bei Rohrbrüchen ist die Frage der Haftung zentral.
- Für den Bruch einer Steigleitung ist die kommunale Gesellschaft oder die Wohnungseigentümergemeinschaft (OSBB) verantwortlich.
- Für Heizkörper und Leitungen innerhalb der eigenen Wohnung, also nach der Steigleitung, haftet der jeweilige Wohnungseigentümer.
Diese Aufteilung birgt erhebliches Konfliktpotenzial und kann für die ohnehin schon leidgeprüften Bewohner weitere Probleme nach sich ziehen. Die angespannte Lage in der ukrainischen Hauptstadt offenbart somit nicht nur technische Mängel, sondern auch soziale und rechtliche Herausforderungen. Vor dem Hintergrund des Krieges und knapper Ressourcen ist es umso dringlicher, dass die Stadtverwaltung die Kapazitäten der Notdienste ausbaut. Gleichzeitig sollten sich alle Bewohner über ihre Rechte und die korrekten Verfahren im Schadensfall informieren, um zusätzliche Streitigkeiten und Verluste zu vermeiden.
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