Finanzexperte Getmanzew im Interview: Wie der Krieg Wirtschaft, Unternehmen und Gesellschaft fordert.
Gespräch mit dem Finanzpolitiker Danilo Getmanzew
Nach Angaben von Novyny.live: In einem Interview mit der Moderatorin Nastja Rein am 27. Februar erläuterte der Abgeordnete Danilo Getmanzew die zentralen Aufgaben des ukrainischen Parlaments im Krieg. Der Finanzexperte der Regierungspartei 'Diener des Volkes' und Vorsitzende des parlamentarischen Finanz- und Steuerausschusses betonte, dass alle Entscheidungen momentan dem Überleben der Nation dienen müssten.
Getmanzew machte deutlich, dass die Bevölkerung vom Parlament vor allem praktische Lösungen zur Bewältigung der Kriegsfolgen erwarte, nicht politische Debatten. Als konkretes Entlastungsbeispiel nannte er eine Erleichterung für Unternehmen: Der Staat habe auf die Pflicht zum zweiten Unterschriftsberechtigten in Primärdokumenten verzichtet, um Geschäfte in der Krise zu erleichtern.
Soziallasten und wirtschaftliche Schieflagen
Zu den drängendsten sozialen Problemen gehöre die Situation von über 160.000 Familien, die Kinder mit Behinderungen großziehen. Diese Haushalte benötigten dringend mehr Unterstützung, woran das Parlament arbeite.
Ein weiteres großes Problem sei die Schattenwirtschaft. Getmanzew verwies darauf, dass nur 22% aller in der Ukraine verkauften Blumen legal importiert würden – ein Beleg für die enorme Größe des Schwarzmarkts. Dies untergrabe den fairen Wettbewerb und müsse bekämpft werden.
Der Abgeordnete schilderte auch das Ausmaß der Kriegszerstörungen: Rund 2,5 Millionen Haushalte seien beschädigt oder zerstört. Diese gewaltige Zahl verdeutliche die humanitären und wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre.
Getmanzew betonte, dass Strafverfolgungsbehörden strikt im Rahmen der Gesetze handeln müssten, um die öffentliche Ordnung und die Bürgerrechte zu wahren.
Für März kündigte Getmanzew einen wichtigen parlamentarischen Schritt an: Die Werchowna Rada wolle in erster Lesung ein Gesetz zur Aufnahme eines Kredits vom Internationalen Währungsfonds (IWF) verabschieden. Dies sei ein zentraler Baustein zur wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes im Krieg.
Das Interview zeigt, wie sehr der Krieg alle Lebensbereiche durchdringt. Getmanzews Ausführungen machen deutlich, dass staatliches Handeln jetzt auf zwei Ziele ausgerichtet sein muss: die akute Not der Menschen zu lindern und die wirtschaftliche Grundlage für die Zukunft zu sichern. Der geplante IWF-Kredit kann dabei ein wichtiges Instrument sein, setzt aber verantwortungsvolles Management voraus. Entscheidend wird sein, dass das Parlament seinen Fokus weiterhin auf solche existenziellen Fragen richtet und nicht auf politische Grabenkämpfe.
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