Pflichtteil im Erbe: Welche Kinder gesetzlich abgesichert sind.
Wenn Eltern ihr Vermögen Fremden vermachen
Nach Angaben von Novyny.live: Können Kinder leer ausgehen, wenn ihre Eltern ihr gesamtes Vermögen per Testament an Dritte vergeben? Das ukrainische Zivilrecht sieht für bestimmte Erben klare Schutzmechanismen vor. Gemäß Artikel 1241 des Zivilgesetzbuches der Ukraine haben folgende Personen Anspruch auf einen sogenannten Pflichtteil:
- nicht erwerbsfähige Eltern,
- erwachsene, nicht erwerbsfähige Kinder,
- minderjährige und unmündige Kinder,
- ein nicht erwerbsfähiger Ehegatte.
Erwachsene, nicht erwerbsfähige Kinder können diesen Anspruch geltend machen, wenn ihre Erwerbsunfähigkeit auf das Alter oder eine Behinderung zurückzuführen ist. Diese Regelungen stellen sicher, dass die genannten Personen auch bei einem Testament zugunsten Außenstehender einen Teil des Nachlasses erhalten. Der Gesetzgeber schützt damit gezielt die finanziell schwächsten Familienmitglieder. Der Pflichtteil ist ein zentrales Instrument, um enterbte nahe Angehörige vor Armut zu bewahren.
Wann der Ausschluss vom Erbe rechtmäßig ist
Das Gesetz kennt jedoch auch Gründe, die den Erbausschluss rechtfertigen. Artikel 1224 des Zivilgesetzbuches der Ukraine listet konkrete Umstände auf, unter denen Personen ihr Erbrecht verlieren können. Dazu zählen:
- Personen, die den Erblasser oder Miterben vorsätzlich getötet haben,
- Personen, die einen solchen Versuch unternommen haben,
- Personen, die die Errichtung, Änderung oder Widerrufung eines Testaments absichtlich verhindert haben,
- Eltern, deren elterliche Rechte gegenüber dem Kind entzogen wurden,
- Adoptiveltern und erwachsene Adoptivkinder,
- Ehegatten, deren Ehe für nichtig erklärt wurde,
- Personen, die ihre gesetzliche Unterhaltspflicht gegenüber dem Erblasser vorsätzlich vernachlässigt haben.
Das ukrainische Erbrecht schafft so einen Ausgleich zwischen dem Willen des Erblassers und dem Schutzbedürfnis der Familie. Es legt sowohl zwingende Ansprüche für schutzbedürftige Erben fest als auch klare Tatbestände für den Verlust des Erbrechts. Diese gesetzliche Balance soll Streit vermeiden und für Gerechtigkeit sorgen.
Vor diesem Hintergrund sind die Rechte älterer und nicht erwerbsfähiger Personen gut abgesichert, selbst wenn ein Testament ihre Interessen zu umgehen versucht. Ein fundiertes Verständnis dieser erbrechtlichen Grundlagen ist für alle Beteiligten essenziell, um Konflikte zu vermeiden und eine faire Vermögensnachfolge zu gewährleisten. Die aktuelle Diskussion zeigt, dass der Schutz der Schwächsten im Erbfall eine fortwährende gesetzgeberische Aufgabe bleibt.
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