Warum die Stahlindustrie für die Zukunft der Ukraine entscheidend ist.
Die Stahlbranche als Rückgrat der Wirtschaft
Nach Angaben von TSN.ua: Der ukrainischen Wirtschaft fehlt ein entscheidender Motor: die Stahlindustrie. Vor dem Krieg trug sie etwa 10 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, heute sind es nur noch knapp 6 Prozent. Jurij Ryschenkow, Generaldirektor der Metinvest-Gruppe, betont, dass die Wiederbelebung der Industrie nach dem Krieg oberste Priorität haben müsse. Ein Arbeitsplatz in der Metallurgie schaffe zudem bis zu acht weitere Jobs in Zulieferbranchen, was ihre systemische Bedeutung unterstreicht.
Trotz des Verlusts von Werken in Mariupol und Awdiijwka bleibt Metinvest der größte Industriekonzern des Landes. In den letzten fünf Jahren zahlten die größten Stahlunternehmen der Ukraine Steuern und Abgaben in Höhe von 190 Milliarden Hrywnja, umgerechnet etwa 6,2 Milliarden US-Dollar. Allein im Jahr 2024 machten die Zahlungen der vier größten Metallurgie-Unternehmen 1,6 Prozent der Einnahmen in allen staatlichen Haushalten aus.
Industriepolitik als Schlüssel zum Wiederaufbau
Der großangelegte Krieg war für Metinvest eine Zeit des Verlusts von Vermögenswerten und des Kampfes ums Überleben, so Ryschenkow.
Er fordert, die Industriepolitik schon jetzt in den Mittelpunkt zu rücken. Die europäische Integration eröffne der Ukraine dabei neue Chancen, die sich positiv auf die industrielle und gesamtwirtschaftliche Entwicklung auswirken könnten. Die EU-Perspektive bietet einen strategischen Rahmen für den notwendigen Modernisierungsschub.
Die Bedeutung der Stahlbranche und eine vorausschauende Industriepolitik sind somit zentrale Bausteine für die künftige Erholung des Landes. Die Wiederbelebung dieses Sektors ist ein kritischer Schritt zur Stabilisierung der ukrainischen Wirtschaft, angesichts seines Beitrags zum BIP und zur Schaffung von Arbeitsplätzen. Vor dem Hintergrund der Kriegsfolgen kann eine kluge Industriestrategie, die die Chancen der Eurointegration nutzt, nicht nur die Wiederherstellung, sondern auch eine zukunftsfähige Entwicklung des Industriesektors sichern.
Lesen Sie auch
- Kraftstoffkrise auf der Krim: Preise steigen um 50 Prozent, lange Schlangen und Verfahren gegen Schwarzmarkthändler
- Sollte man bei einem Kurs von 45 Euro Ersparnisse in Griwna halten? Ein Experte gibt seine Einschätzung
- Logistik am Abgrund: Treibstoffmangel und Angriffe auf Tschonhar stürzen die Krim in die Krise
- Warum Meeresfisch in der Ukraine teurer wird – obwohl das Land 92 Prozent seines Nahrungsbedarfs selbst deckt
- Fast das gesamte Jahresbudget des Reservefonds in nur drei Monaten ausgegeben: So steht es um die ukrainischen Finanzen
- Ukraine sichert sich Zugang zu Großinvestitionen: Diese Branchen stehen im Fokus

