Bundestag beschließt schärfere Drohnenabwehr und Überwachungsbefugnisse für die Polizei.
Neue Befugnisse für die Bundespolizei in Deutschland
Nach Angaben von Espreso.tv: Der Deutsche Bundestag hat ein Gesetzespaket verabschiedet, das der Bundespolizei erweiterte Rechte einräumt. Dazu gehören die eigenständige Abwehr von Drohnen sowie der Einsatz von unbemannten Luftfahrzeugen zur Observation. Die Unionsparteien (CDU/CSU) und die SPD stimmten für das Vorhaben, während Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen dagegen votierten. Die AfD enthielt sich der Stimme. Nach der Sommerpause befasst sich nun der Bundesrat mit dem Gesetzentwurf.
Die wichtigsten Neuerungen im Überblick
Herzstück der Reform ist die Ermächtigung der Bundespolizei, Drohnen eigenständig unschädlich zu machen – die umfassendste Erweiterung polizeilicher Kompetenzen seit 1994. Künftig darf die Polizei auch eine Echtzeit-Gesichtserkennung einsetzen, allerdings nur bei Gefahr für Leib und Leben oder die Sicherheit des Staates. Eine Künstliche Intelligenz soll dabei Videoaufnahmen auf verdächtige Bewegungsmuster von Personen analysieren.
Zudem werden die Hürden für Telefonüberwachungen in Fällen von Extremismus und Menschenschmuggel gesenkt. Die Bundespolizei erhält außerdem das Recht, eigenständig Haft zur Sicherung der Abschiebung zu beantragen.
Frühere Anläufe, das Bundespolizeigesetz zu reformieren, waren gescheitert – zuletzt 2021 unter der Regierung von Angela Merkel. Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Drohnenaktivität. Seit Herbst 2025 werden regelmäßig Drohnen über NATO-Gebiet gesichtet. In der Nacht zum 10. September 2025 drangen rund 20 russische Drohnen in den polnischen Luftraum ein – der erste Fall, bei dem Drohnen über NATO-Territorium unter dem Schutz des Bündnisses abgefangen wurden. Im Mai 2025 stürzte eine Drohne vom Typ Geran-2 in der rumänischen Stadt Galați ab und explodierte, wobei zwei Menschen verletzt wurden. Berichten zufolge soll die NATO mindestens 144 Spionagefälle russischer Drohnen über Atomanlagen „verschlafen“ haben.
Die Meinungen von Fachleuten zu den neuen Polizeibefugnissen gehen auseinander. So äußerte sich Christopher Dressler wie folgt:
„Multikulturelle Gesellschaften sind multikriminelle Gesellschaften“ – Christopher Dressler
Clara Bünger warnte hingegen, dass „eine flächendeckende Überwachung zum Normalzustand werden könnte“. Irene Mihalic wies auf „rechtliche Bedenken gegen biometrische Überwachungsmaßnahmen“ hin. Diese Kommentare verdeutlichen die Kontroversen, die mit den neuen polizeilichen Kompetenzen in Deutschland verbunden sind.
Die Verabschiedung des Gesetzes spiegelt die wachsende Sorge um die Sicherheit angesichts aktueller Bedrohungen wider, insbesondere durch Drohnen. Angesichts zahlreicher Vorfälle mit unbemannten Luftfahrzeugen in Europa könnten die neuen Befugnisse ein wichtiges Instrument zur Abwehr potenzieller Risiken darstellen. Die anhaltenden Debatten über ethische und rechtliche Aspekte solcher Technologien unterstreichen jedoch die Notwendigkeit einer ausgewogenen Umsetzung, um Grundrechte und die Privatsphäre der Bürger nicht zu gefährden.
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