S-400-Raketen gegen Kiew: Warum Russland seine Luftabwehrsysteme zweckentfremdet.
Russlands taktischer Wandel: S-400 im Angriffsmodus
Nach Angaben von Espreso.tv: Der ukrainische Militärexperte Walerij Romanenko erläutert, dass Russland vermehrt Raketen seiner Flugabwehrsysteme vom Typ S-400 für Angriffe auf Kiew einsetzt. Diese Taktik verfolgt zwei Ziele: Sie schont die wertvollen ballistischen „Iskander“-Raketen und bringt gleichzeitig die ukrainische Luftverteidigung (PPO) in Bedrängnis. Die russische Armee nutzt die Raketen der S-400-Komplexe demnach aktiv, was die taktische Lage in der Region grundlegend verändert.
Technische Details und Reichweite
Zu Beginn des groß angelegten Krieges verfügte Russland laut Romanenko über rund 8.000 Raketen für die älteren S-300-Systeme. Diese immense Menge erlaubt es den russischen Streitkräften, ihre Operationen effektiv fortzusetzen. Die Rakete 48N6, die im S-400-System zum Einsatz kommt, hat eine Reichweite von 220 bis 230 Kilometern und kann somit Ziele in großer Distanz treffen. Die russische Rüstungsindustrie steigert ihre Produktion kontinuierlich: Monatlich werden etwa 60 „Iskander-M“-Raketen und ungefähr 40 umgerüstete S-400-Raketen hergestellt.
Romanenko wies zudem darauf hin, dass die Abschussvorrichtungen der „Iskander“-Systeme in der Regel 50 bis 70 Kilometer von der Frontlinie entfernt stationiert sind. Die S-400-Komplexe hingegen können nur rund 30 Kilometer von der Grenze entfernt positioniert werden, was ihnen erlaubt, ukrainisches Territorium effektiv zu bedrohen.
Romanenko: „Die Russen haben auch einen Weg gefunden, die Anzahl dieser Munition kostengünstig zu erhöhen.“
Diese Vorgehensweise erlaubt es Russland, seine ballistischen Raketen zu schonen und gleichzeitig die ukrainische Luftabwehr systematisch zu erschöpfen. Romanenko betont: „Die S-400-Rakete fliegt auf einer niedrigen Flugbahn, weshalb die Luftabwehrsysteme sie deutlich später orten.“ Dies stellt die ukrainischen Verteidigungskräfte vor zusätzliche Herausforderungen.
Im Gegensatz dazu, so der Experte, fliege die „Iskander“ auf einer hohen ballistischen Kurve, sodass die ukrainischen Radarsysteme sie bereits beim Aufstieg erfassen können. Diese unterschiedlichen Flugeigenschaften zeigen, dass Russland seine Strategie anpasst, um die Effektivität seiner Angriffe zu maximieren und verschiedene Raketentypen gezielt für seine militärischen Ziele einzusetzt.
Die Zweckentfremdung der S-400-Systeme für Angriffe auf ukrainisches Gebiet offenbart eine Weiterentwicklung der russischen Militärtaktik. Ziel ist es, den Verbrauch teurer ballistischer Raketen zu reduzieren und die Trefferquote zu erhöhen. Dies hat schwerwiegende Folgen für die ukrainische Luftverteidigung, da die verkürzte Reaktionszeit die Gefahr von Treffern auf kritische Infrastruktur erhöht. Sollte Russland diese Taktik weiter verfeinern, wäre die Ukraine gezwungen, neue Wege zur Sicherung ihres Luftraums zu finden.
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