Iwan Frankos 'Pjez': Die Geschichte eines verschollenen Dialektworts.

Iwan Frankos 'Pjez': Die Geschichte eines verschollenen Dialektworts
Iwan Frankos 'Pjez': Die Geschichte eines verschollenen Dialektworts

Ein Dialektwort unter der Lupe

Nach Angaben von TSN.ua: Ein fast vergessenes Wort aus dem galizischen Dialekt rückt ins Blickfeld der Sprachforschung: 'Pjez'. Dieses Synonym für den allgemeinen Begriff 'Ofen' stammt ursprünglich aus dem Polnischen ('piec') und bezeichnete im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, insbesondere in Lwiw (Lemberg), einen Kachelofen zur Beheizung städtischer Wohnhäuser. Solche regionalen Begriffe prägten den Alltag in der Habsburgermonarchie.

Der bedeutende ukrainische Schriftsteller Iwan Franko griff dieses Wort in seinen Werken auf. Er verwendete sogar die Ableitung 'Pjezuch', um damit einen faulen Menschen zu charakterisieren. Dies zeigt, dass der Dialektausdruck 'Pjez' nicht nur eine praktische Bedeutung hatte, sondern auch in der literarischen und kulturellen Ausdruckswelt jener Zeit verwurzelt war.

Redewendungen rund um den Ofen

Einige Ausdrücke, die mit dem 'Pjez' verbunden waren, fanden Eingang in die Alltagssprache. So verwies die Wendung 'ein voller Pjez Brot' auf die Menge, die auf einmal im Ofen gebacken werden konnte. Andere Redensarten wie:

  • 'vergessen, den Pjez anzuzünden' (den Ofen nicht anheizen)
  • 'einen auf den Pjez geben' (jemanden verprügeln)

entstammen dem traditionellen Leben, etwa dem Baderitual, bei dem Wasser auf glühend heiße Steine gegossen wird. Auch der Wunsch 'halt dich am Pjez' war gebräuchlich und bedeutete so viel wie: Bleib standhaft und stark. Diese sprachlichen Elemente offenbaren den reichen kulturellen Hintergrund, in dem dieser Dialektismus einst lebendig war.

Die Untersuchung des Wortes 'Pjez' unterstreicht, wie wichtig lokale Ausdrücke für die Herausbildung von Sprachkultur und Identität sind. Wörter, die heute verschollen scheinen, sind Zeugen der Geschichte und des Alltagslebens. Da Sprache ein lebendiger Organismus ist, kann die Rückbesinnung auf solche Begriffe helfen, das kulturelle Erbe zu bewahren und die moderne Sprache durch verlorene Nuancen und Kontexte zu bereichern.


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