DNA des Herpes wurde in menschlichen Überresten aus der Eisenzeit gefunden: wie sich das Virus in 2500 Jahren verändert hat.

DNA des Herpes wurde in menschlichen Überresten aus der Eisenzeit gefunden: wie sich das Virus in 2500 Jahren verändert hat
DNA des Herpes wurde in menschlichen Überresten aus der Eisenzeit gefunden: wie sich das Virus in 2500 Jahren verändert hat

Nach Angaben von ТСН: Wissenschaftler haben erstmals direkte Beweise dafür erbracht, dass das weit verbreitete Kindervirus - menschliches Herpesvirus des Typs 6 - bereits in der Eisenzeit Menschen infizierte und in einigen Fällen sogar ins menschliche Genom integriert wurde.

Ein Forschungsteam analysierte fast viertausend menschliche Überreste aus archäologischen Stätten in Europa. Im Rahmen der Studie gelang es ihnen, elf alte Genome des Virus HHV-6A/B wiederherzustellen. Die ältesten Proben stammen von einem Mädchen, das zwischen 1100 und 600 v. Chr. im Gebiet des heutigen Italiens lebte. Weitere Proben wurden in mittelalterlichen Gräbern in England, Belgien, Estland und Italien gefunden.

HHV-6B infiziert heute die meisten Kinder unter zwei Jahren und ist die Ursache für das Exanthem subitum - eine Erkrankung, die oft mit fieberhaften Krampfanfällen einhergeht. Nach der Erstinfektion 'schläft' das Virus normalerweise im Körper, kann aber in einigen Fällen seine DNA in menschliche Chromosomen integrieren und vererbt werden. Ein solcher Zustand wird derzeit bei etwa einem Prozent der Menschen beobachtet.

Gerade diese vererbbaren Formen des Virus konnten in der alten DNA nachgewiesen werden. Mehrere Bewohner des mittelalterlichen Englands erwiesen sich als Träger des integrierten HHV-6B und wurden somit zu den ältesten bekannten Personen mit einem solchen genetischen 'Merkmal'. An der belgischen Fundstelle Sint-Truiden entdeckten die Spezialisten beide Virustypen - HHV-6A und HHV-6B - in einer einzigen Gemeinschaft.

Evolution des Virus

Der Vergleich von alten Genomen mit modernen ermöglichte es, die Evolution des Virus über mehr als 2500 Jahre nachzuvollziehen. Die Forscher fanden auch heraus, dass zwei verwandte Stämme - HHV-6A und HHV-6B - sich unterschiedlich entwickelt haben: Der erste hat vermutlich früh seine Fähigkeit verloren, sich in die menschliche DNA zu integrieren, während der zweite diese Eigenschaft bis heute bewahrt hat.

Die Wissenschaftler betonen, dass es nun erstmals einen Nachweis dafür gibt, dass das Virus, das heute die meisten Kinder infiziert, bereits in der Eisenzeit Teil des menschlichen Genoms wurde und diese 'vererbte Präsenz' in bestimmten Familienlinien bis heute erhalten blieb.

Erinnern wir uns, dass Archäologen auch von unerwarteten Funden in einer der wichtigsten Städte des Römischen Reiches berichteten.

Die von den Wissenschaftlern durchgeführte Studie eröffnet neue Horizonte für das Verständnis der Evolution und Geschichte von Viren, die die Menschheit begleiten. Die Entdeckung alter Formen des Herpes könnte bei der Entwicklung neuer Behandlungs- und Präventionsmethoden für durch diese Viren verursachte Krankheiten helfen und ein besseres Verständnis dafür ermöglichen, wie Viren zusammen mit ihren Wirten evolvieren.


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