Kritik aus Tel Aviv: Israel verurteilt die erneute Bestattung von OUN-Führer Melnyk.
Die Umbettung von Andrij Melnyk
Nach Angaben von Espreso.tv: Das israelische Außenministerium hat mit Bedauern auf die Entscheidung reagiert, eine staatliche Zeremonie zur Wiederbestattung von Andrij Melnyk abzuhalten. Melnyk war der Führer der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und wird historisch mit einer Kollaboration mit den Nationalsozialisten in Verbindung gebracht. Die sterblichen Überreste von Melnyk und seiner Ehefrau Sofija Fedak wurden nach Ukraine überführt, um dort erneut beigesetzt zu werden.
Andrij Melnyk zählte zu den prägenden militärischen und politischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Seine Laufbahn begann er als Oberst der Armee der Ukrainischen Volksrepublik. Er war eng mit Jewhen Konowalez verbunden, sowohl als Kampfgefährte als auch verwandtschaftlich. Melnyk war Mitbegründer der Ukrainischen Militärorganisation (UWO) und wurde 1924 verhaftet, woraufhin er fünf Jahre in polnischen Gefängnissen verbrachte. Nach dem Tod von Konowalez im Jahr 1938 übernahm er die Führung der ukrainischen Nationalisten.
Rolle während des Zweiten Weltkriegs
Während des Zweiten Weltkriegs hielt sich Melnyk in Berlin auf. Ab Anfang 1942 stand er unter Hausarrest, und ab Februar 1944 war er im Konzentrationslager Sachsenhausen inhaftiert. Nach Kriegsende verbrachte er mehrere Jahre in Lagern für Vertriebene und ließ sich Ende 1945 in Luxemburg nieder. 1947 wurde er zum lebenslangen Vorsitzenden der OUN gewählt, und 1957 stellte er das Programm zur Gründung des Weltkongresses der Ukrainer vor. Andrij Melnyk starb am 1. November 1964 in Köln und wurde auf dem Bonvois-Friedhof in Luxemburg beigesetzt.
Am 19. Mai 2023 genehmigten die luxemburgischen Behörden die Überführung seiner sterblichen Überreste nach Ukraine. Einen Tag später, am 21. Mai 2023, trafen die Gebeine von Melnyk und seiner Frau in der Ukraine ein. Am 22. und 23. Mai 2023 fanden dort offizielle Gedenkfeierlichkeiten statt, die in der Gesellschaft unterschiedliche Reaktionen hervorriefen. Das israelische Außenministerium äußerte sich dazu wie folgt:
„Wir bedauern die Entscheidung, eine offizielle staatliche Zeremonie zur Wiederbestattung des OUN-Führers Andrij Melnyk durchzuführen, der mit den Nazis kollaborierte.“ – Israelisches Außenministerium
Die Wiederbestattung von Andrij Melnyk hat in Ukraine eine breite Debatte über das historische Gedächtnis und die Bewertung politischer Persönlichkeiten der Vergangenheit ausgelöst. Die Reaktion Israels verdeutlicht, wie sensibel das Thema der Zusammenarbeit mit den Nationalsozialisten ist – nicht nur für die ukrainische Gesellschaft, sondern auch für die internationale Gemeinschaft. Dieser Fall könnte weitere Diskussionen darüber anstoßen, wie Nationen ihre historischen Persönlichkeiten gedenken und deren Rolle in globalen Konflikten einordnen.
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