Kiews Kälte-Krise: Wie die Bewohner von 600 Häusern in Trojeschtschyna überleben.
Kampf gegen die Kälte: Kiews Bewohner in einer lebensgefährlichen Situation
Nach Angaben von TSN.ua: In der ukrainischen Hauptstadt herrscht ein lebensbedrohlicher Ausnahmezustand. Durch russische Raketen- und Drohnenangriffe sind Heizung, Strom und Wasserversorgung in weiten Teilen der Stadt zusammengebrochen. Besonders dramatisch ist die Lage im nördlichen Stadtteil Trojeschtschyna, wo rund 600 Wohnhäuser von allen Versorgungsleistungen abgeschnitten sind. Die Stadtverwaltung versucht, die Menschen mit Notmaßnahmen zu unterstützen.
Nach aktuellen Angaben vom 27. Januar sind in Kiew insgesamt über 1200 Mehrfamilienhäuser ohne Heizung. In Trojeschtschyna fehlt es neben der Wärme auch an fließendem Wasser und Strom. Für die betroffenen Bewohner wurden dort 145 beheizte Notunterkünfte eingerichtet. Um die überlasteten Netze zu entlasten, hat die Stadt zudem die Warmwasserversorgung in vielen Gebäuden vorübergehend eingestellt.
Zerfallende Infrastruktur verschärft die Not
Die maroden Leitungsnetze, die durch die Angriffe beschädigt wurden, führen zu weiteren Katastrophen. Im Stadtteil Rusaniwka, konkret im Igor-Schamo-Boulevard 14, ist in einem 16-stöckigen Hochhaus eine Heizungsleitung geborsten. Die Flut hat 384 Wohnungen erfasst. In den Räumen herrschen nur noch Temperaturen um +2°C. Bürgermeister Vitali Klitschko bezeichnete die Lage in Trojeschtschyna als die derzeit schwierigste, da dort alle Versorgungsprobleme gebündelt auftreten.
Die Aussichten sind düster: Die Heizkraftwerke TEC-5 und TEC-6 werden voraussichtlich erst im März 2024 wieder vollständig Wärme und Strom erzeugen können. Bereits seit dem 9. Januar schwebte die Ukraine an der Schwelle zu einer technogenen Katastrophe, die die Grundversorgung der Metropole gefährdete. Die gesundheitlichen Folgen sind bereits spürbar; die Zahl der Grippe- und Corona-Infektionen ist im Vergleich zur Vorwoche um 8,5% gestiegen.
Die Situation erfordert dringendes Handeln der Behörden, um eine humanitäre Katastrophe abzuwenden. Die Einwohner Kiews hoffen auf eine rasche Wiederherstellung der Versorgung und eine Rückkehr zur Normalität.
Diese Krise in Kiew offenbart die extreme Verwundbarkeit der städtischen Infrastruktur im Krieg. Die Angriffe legen nicht nur Energieversorgung lahm, sondern zerstören systematisch die Lebensgrundlagen der Zivilbevölkerung. Während die Stadtverwaltung mit Notlösungen gegensteuert, zeigen die langfristigen Schäden, dass neben der akuten Nothilfe auch ein strategischer Wiederaufbauplan nötig ist, um die Stadt für den kommenden Winter zu wappnen.
Lesen Sie auch
- Kiew entfernt Bulgakow-Denkmal: Ein Schritt in der Dekolonisierung der Ukraine
- Mögliche Einschränkung von Zelten in Kiewer U-Bahn während Luftalarmen
- Tödlicher Angriff auf Kiew: Zahl der Toten steigt auf sieben, fast 100 Verletzte
- Schwerer russischer Angriff auf Kiew: 90 Verletzte und 6 Tote nach Raketen- und Drohnenbeschuss
- Schwere Angriffswelle auf Kiew am 2. Juni: 65 Verletzte und fünf Tote – Aufräumarbeiten laufen
- Schwerer Angriff auf Kiew: Vier Tote und 58 Verletzte, darunter zwei Kinder

