Polen stellt Bedingungen für EU-Beitritt der Ukraine: Was gefordert wird.
Der Stand der Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen
Nach Angaben von Espreso.tv: Die Beziehungen zwischen Kiew und Warschau bleiben angespannt – geprägt von Exhumierungsfragen, historischen Konflikten und einem Eklat um den Orden des Weißen Adlers. Dieser wurde dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj aberkannt. Der ukrainische Politiker Knyazhitsky betont trotz politischer Differenzen die anhaltende Unterstützung der polnischen Bevölkerung für die Ukraine.
Am 26. Mai 2023 unterzeichnete der ukrainische Präsident ein Dekret, das einem speziellen Zentrum für Spezialoperationen „Nord“ den Ehrennamen „Nach den Helden der UPA“ verlieh. Als Reaktion darauf kündigte der polnische Politiker Nawrocki am 27. Mai 2023 an, Selenskyj den Orden des Weißen Adlers entziehen zu wollen. Am 8. Juni 2023 tagte das Kapitel des Ordens, und am 19. Juni setzte Nawrocki seinen Plan um – Selenskyj wurde der Orden aberkannt. Einen Tag später, am 20. Juni 2023, gab Selenskyj bekannt, dass er den Orden zurückgeschickt habe.
Vertrauen und gesellschaftliche Stimmungen
Umfragedaten vom 26. Juni 2023 zeigen, dass Nawrockis Vertrauenswert bei 54,8 % lag. Gleichzeitig wünschten sich 90 % der Ukrainer eine konstruktive Lösung der historischen Streitigkeiten mit Polen. Vor diesem Hintergrund reichten polnische EU-Abgeordnete im Europaparlament einen offiziellen Antrag auf eine Debatte über die Ehrung der Opfer des UPA-Völkermords ein. Polen stellte zudem klar: Eine Zustimmung zum EU-Beitritt der Ukraine komme nur infrage, wenn Kiew die Ehrung von OUN- und UPA-Aktivisten unterlasse.
Knyazhitsky kommentierte die Lage wie folgt:
„Wir sollten uns nicht mit Worten, Symbolen und Beleidigungen bekämpfen. Der ukrainische Staat und die polnische Regierung haben alles getan, um unsere Beziehungen zu verbessern.“
Er hob außerdem hervor, dass selbst zu dem Zeitpunkt, als Präsident Nawrocki Präsident Selenskyj den Orden entzog, 40 % der Polen die Ukrainer unterstützten und diesen Schritt verurteilten. Selenskyj selbst sieht in Nawrockis Handeln „ausschließlich ein Wahlkampfmotiv – den Kampf um den Posten des Premierministers für die PiS bei den Wahlen 2027“.
Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen bleiben also komplex – geprägt von historischen Auseinandersetzungen und politischen Entscheidungen. Dennoch ist die Unterstützung der ukrainischen Seite durch die polnische Gesellschaft weiterhin stark.
Der Fall verdeutlicht die Schwierigkeit internationaler Beziehungen, in denen historische Fragen auf aktuelle politische Realitäten treffen. Die anhaltende Unterstützung der polnischen Bevölkerung könnte die offiziellen Entscheidungen beider Regierungen beeinflussen. Ein konstruktiver Dialog und die Suche nach Kompromissen könnten der Schlüssel zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen in der Zukunft sein.
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