Kriegsalltag und Glaube in Odessa: Jeder Dritte misstraut anderen Konfessionen.
Wie der Krieg das religiöse Leben in der Region Odessa verändert
Nach Angaben von Novyny.live: Im Mai 2026 führte die Soziologengruppe 'Rating' eine Umfrage unter 1100 Einwohnern der Region Odessa durch. Die Studie beleuchtet, wie die Bevölkerung zu religiösen Institutionen steht und welche Rolle diese im Krieg spielen. Die Ergebnisse zeigen ein vielschichtiges Bild: Während 74 Prozent der Befragten an Gott glauben, äußert fast ein Drittel Misstrauen gegenüber Menschen anderen Glaubens.
Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick:
- 74% der Menschen in der Region Odessa glauben an Gott;
- 31% der Bewohner misstrauen Angehörigen anderer Religionsgemeinschaften;
- 32% bezeichnen sich als orthodox, ordnen sich aber keiner bestimmten Kirche zu;
- 17% unterstützen die Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU), 11% die Ukrainische Orthodoxe Kirche (UOK).
Besonders auffällig ist das Vertrauen in kirchliche Führungspersönlichkeiten: 41% der Befragten vertrauen Metropolit Epiphanius, dem Oberhaupt der OKU, während nur 6% dem Moskauer Patriarchen Kyrill vertrauen. Zudem sind 78% der Meinung, der Staat solle gegen religiöse Organisationen vorgehen, wenn diese gegen Gesetze verstoßen. 65% bewerten die Religionsfreiheit in der Ukraine als hoch. Diese Daten zeigen, wie stark der Krieg die Einstellungen prägt.
Weitere Ergebnisse: 55% der Einwohner befürworten die Schaffung einer vereinigten Landeskirche, während 60% für eine strikte Trennung von Kirche und Staat plädieren. Trotz unterschiedlicher Ansichten geben 89% an, noch nie wegen ihres Glaubens benachteiligt worden zu sein.
So wie Odessa die Ukraine ist, so sind der Süden und Norden der Region Odessa – das ist alles Odessa. Es gibt keinen Unterschied, alle sind vereint. – Oleksij Antypowytsch
Die Studie macht deutlich: Die Religiosität in der Region Odessa hat ihre eigenen Merkmale, die unabhängig von regionalen Unterschieden bestehen. Dies unterstreicht, wie wichtig Zusammenhalt in Kriegszeiten ist – ein Punkt, den Jaroslaw Jurtschyschyn als 'eines der Grundelemente unserer Widerstandsfähigkeit' bezeichnet.
Gesellschaftliche Strömungen und ihre Wirkung
Die Untersuchung des religiösen Lebens in der Region Odessa während des Krieges zeigt sowohl traditionelle Werte als auch die Haltung gegenüber kirchlichen Institutionen. Diese Faktoren prägen die öffentliche Meinung maßgeblich. Die Umfrageergebnisse offenbaren eine hohe Glaubensbereitschaft, aber auch den Bedarf an Verständigung zwischen verschiedenen Konfessionen. Die gesammelten Daten könnten als Grundlage für einen vertieften Dialog zwischen Religionsgemeinschaften und staatlichen Stellen dienen – ein Schritt, der zur Stabilität in der Region beitragen könnte.
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