Vom Moskauer Patriarchen zum Gründer einer eigenen Kirche: Das bewegte Leben des ukrainischen Kirchenführers Filaret.
Ein Kirchenmann zwischen den Fronten
Nach Angaben von TSN.ua: Der verstorbene Patriarch Filaret hat eine außergewöhnliche Karriere hinter sich. Ursprünglich ein hoher Würdenträger der Russisch-Orthodoxen Kirche, wurde er später zum entscheidenden Wegbereiter eines unabhängigen ukrainischen orthodoxen Glaubens. Sein Wirken ist bis heute umstritten und prägt die Kirchengeschichte der Ukraine nachhaltig. Man kann seine Laufbahn als eine Zeit des Aufbruchs, aber auch der tiefen Konflikte beschreiben.
In den 1960er Jahren wurde Filaret zum Metropoliten von Kiew ernannt. Diese frühe Phase seiner Laufbahn legte den Grundstein für alles, was später kommen sollte, war jedoch nicht frei von Schwierigkeiten. Ein entscheidender Wendepunkt war das Jahr 1990, als Filaret bei der Wahl zum Patriarchen der Russisch-Orthodoxen Kirche unterlag. Statt seiner wurde Alexius II. zum neuen Kirchenoberhaupt gewählt. Dieses Ereignis markierte eine Zäsur. Daraufhin konzentrierte Filaret seine ganze Energie auf die Wiederbelebung des ukrainischen orthodoxen Glaubens, der über Jahrzehnte hinweg stark unterdrückt worden war.
Filarets Einfluss auf die ukrainische Kirche
Der Publizist Witalij Portnikow beschrieb Filaret als
„die bedeutendste und zugleich widersprüchlichste Persönlichkeit der kirchlichen Nachkriegsgeschichte“. Dies unterstreicht die Komplexität seines Erbes und seinen tiefgreifenden Einfluss auf die Entwicklung der ukrainischen Kirche. Portnikow betonte weiter, dass
„Filaret der Architekt der Wiedergeburt der ukrainischen Kirche war“, was seine zentrale Rolle bei der Schaffung eines unabhängigen orthodoxen Christentums in der Ukraine hervorhebt.
Filarets Wirken ist daher ein unverzichtbarer Bestandteil der ukrainischen Kirchenhistorie. Seine Bemühungen um die Wiederherstellung der Orthodoxie spiegeln sowohl die Erfolge als auch die enormen Herausforderungen wider, vor denen die Kirche stand. Seine Hinterlassenschaft ist vielschichtig und ambivalent. Dies wird durch Portnikows Zitat untermauert, der anmerkte, dass er
„den Spruch 'Lieber ein Deutscher als ein Chochol' damals mehr als einmal gehört habe“. Diese Worte verdeutlichen das schwierige gesellschaftliche und politische Umfeld, in dem Filaret agierte. Er versuchte, das ukrainische orthodoxe Christentum gegen äußeren Druck und innere Zerwürfnisse zu verteidigen.
Filaret nimmt einen zentralen Platz in der Geschichte der ukrainischen Orthodoxie ein. Sein Beitrag zur Wiederbelebung der Kirche in der Ukraine ist untrennbar mit den tiefgreifenden gesellschaftlichen und politischen Umwälzungen des Landes verbunden. Trotz aller Kontroversen um seine Person und seine Methoden ist er zu einem Symbol des Kampfes für die Unabhängigkeit der ukrainischen Kirche geworden – ein Symbol, das auch für die aktuellen kirchlichen Entwicklungen in der Ukraine von großer Bedeutung ist.
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