Exportstopp für Schrott: Wie eine Regierungsentscheidung Existenzen in der Ukraine gefährdet.
Ein Paar zwischen den Fronten
Nach Angaben von TSN.ua: Für Olga und Igor, Binnenflüchtlinge aus Cherson und dem Donbass, ist das Überleben in Kiew zum täglichen Kampf geworden. Eine Entscheidung der ukrainischen Regierung hat ihre Lage dramatisch verschärft: Seit dem 1. Januar 2026 gilt eine Nullquote für den Export von Metallschrott. Dies hat zu einem Überangebot auf dem heimischen Markt geführt und verursacht erhebliche wirtschaftliche Schäden. Die Folgen treffen Unternehmer und Beschäftigte der Branche mit voller Härte.
Igor aus Cherson und Olga aus dem Donbass hausen in einem Container auf einem Industriegelände in Kiew. In der Ukraine werden monatlich etwa 200.000 Tonnen Metallschrott gesammelt, doch die einheimischen Werke verbrauchen maximal 140.000 Tonnen. Für die Unternehmer, die mit dem Sammeln und Verkauf ihr Geld verdienen, wird die Lage dadurch immer aussichtsloser.
„Auf unserem Gelände liegen 70 Tonnen Schrott. Wir bringen ihn nicht weg, weil wir ihn letztes Jahr zu alten Preisen gekauft haben. Ihn jetzt abzugeben, heißt, mit Verlust zu arbeiten“, erklärt der Unternehmer Maksym.
Die wirtschaftlichen Verluste sind beträchtlich. Allein im Januar 2026 entgingen dem Land Deviseneinnahmen in Höhe von 10 Millionen Euro. Das potenzielle Einkommen aus Schrottexporten in die EU, das nun verloren ist, wird auf 150 Millionen US-Dollar geschätzt. Zudem wird erwartet, dass bis zum Sommer bis zu 4000 Arbeitsplätze in der Branche wegfallen. Der Exportstopp trifft eine bereits angeschlagene Wirtschaft in einer kritischen Phase.
Bemerkenswert ist, dass die „Ukrsalisnyzja“ 12.000 Tonnen Schrott zum Verkauf anbot, jedoch keine der Auktionen zustande kam. Wolodymyr Bubley, ein Branchenkenner, kritisiert die Regierungsentscheidung scharf: Sie sei „nicht auf der Grundlage einer Marktanalyse, sondern auf Nachfrage einer einzigen Interessenseite“ getroffen worden. Diese Politik gefährdet nicht nur Unternehmen, sondern die Lebensgrundlage unzähliger Familien.
- Die Schwierigkeiten der Unternehmer werden deutlich in der Aussage: „Für uns lohnt es sich nicht, Metall anzunehmen. Der Preis ist zu niedrig, wir haben bereits gesagt, dass wir nichts mehr annehmen.“
So leben Olga und Igor, wie viele andere auch, in ständiger wirtschaftlicher Unsicherheit und erleben hautnah, wie politische Entscheidungen ihr Schicksal direkt beeinflussen.
Eine ganze Branche in der Krise
Das Exportverbot und die Nullquote unterstreichen die tiefgreifenden wirtschaftlichen Probleme, mit denen nicht nur einzelne Familien, sondern eine gesamte Industrie konfrontiert ist. Angesichts des wachsenden Rohstoffüberschusses und fallender Schrottpreise sehen sich viele Unternehmer gezwungen, ihre Betriebe zu schließen. Dies hat verheerende Auswirkungen auf Beschäftigung und Wohlstand Tausender Menschen.
Eine Analyse der Lage zeigt: Entscheidungen, die ohne Abwägung der Interessen aller Marktteilnehmer getroffen werden, können schwerwiegende sozialökonomische Folgen nach sich ziehen.
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