Streit um höchste Auszeichnung: Warum Selenskyj den Orden des Weißen Adlers verlor.
Ein Ex-Diplomat bewertet die Spannungen zwischen Kiew und Warschau
Nach Angaben von Espreso.tv: Die Beziehungen zwischen der Ukraine und Polen sind derzeit stark belastet – ausgelöst durch historische Streitfragen und politische Kalküle. Der ehemalige ukrainische Konsul in Danzig (2016–2021), Lew Sachartschyschyn, sieht dafür vor allem die Instrumentalisierung der Geschichte durch den polnischen Präsidenten als Ursache. Ein besonders symbolträchtiger Schritt war die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers für Wolodymyr Selenskyj, was die bilateralen Beziehungen weiter verkompliziert. Seiner Einschätzung nach lassen sich die emotionalen Gegensätze zwischen beiden Nationen nicht vollständig auflösen.
Sachartschyschyn, der von 2016 bis 2021 als Konsul der Ukraine in Danzig tätig war, betont die Grenzen einer rationalen Konfliktlösung.
„Es wird nicht gelingen, die Emotionen zwischen der Ukraine und Polen vollständig zu besänftigen“ – so seine Einschätzung.Ergänzend stellte er klar:
„Deshalb werden wir aus dieser Situation nicht völlig unbeschadet herauskommen.“
Eskalation durch historische Entscheidungen
Der offene Konflikt entzündete sich an einem Dekret: Am 26. Mai 2023 verlieh Wolodymyr Selenskyj einem Spezialeinsatzzentrum den Ehrennamen „Helden der UPA“. Drei Tage später, am 29. Mai 2023, kündigte Karol Nawrocki an, Selenskyj die Auszeichnung zu entziehen. Nawrocki setzte dies am 19. Juni 2023 in die Tat um – die Aberkennung des Ordens des Weißen Adlers sorgte für zusätzliche Verstimmung.
Auch andere ukrainische Amtsträger lehnten polnische Ehrungen ab:
- Kyrylo Budanow verzichtete auf das Goldene Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen
- Andrij Sybiha kündigte an, das Kommandeurskreuz mit Stern des Verdienstordens zurückzugeben
- Wassyl Bodnar verweigerte ebenfalls die Annahme einer polnischen Auszeichnung
Der frühere polnische Ministerpräsident Donald Tusk machte deutlich, dass
„die Verantwortung für die Lösung der Situation zwischen Kiew und Warschau allein auf ukrainischer Seite liegt“. Er forderte einen
„direkten und ehrlichen Dialog zu dieser Angelegenheit“– ein Appell für mehr konstruktive Gespräche.
Die ukrainisch-polnischen Beziehungen bleiben somit von historischen Altlasten und politischen Entscheidungen überschattet, die die Zusammenarbeit beider Länder nachhaltig beeinträchtigen können. Eine Entspannung erfordert Anstrengungen auf beiden Seiten, denn die emotional aufgeladenen Geschichtsfragen entziehen sich oft einfachen Kompromissen. Um eine weitere Eskalation zu vermeiden, wird es künftig entscheidend sein, den Dialog aufrechtzuerhalten und gemeinsame Wege für die Kooperation in anderen Bereichen zu finden.
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