Trotz Erderwärmung: Warum die Natur langsamer reagiert als erwartet.

Trotz Erderwärmung: Warum die Natur langsamer reagiert als erwartet
Trotz Erderwärmung: Warum die Natur langsamer reagiert als erwartet

Ein Rätsel der Biodiversität

Nach Angaben von TSN.ua: Obwohl die globale Erwärmung ungebremst voranschreitet, hat sich die Dynamik in natürlichen Lebensgemeinschaften überraschend verlangsamt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Queen Mary University of London, die auf einer Beobachtungsdatenbank des letzten Jahrhunderts basiert. Seit den 1970er Jahren sank die Geschwindigkeit, mit der Arten einander in Zeiträumen von einem bis fünf Jahren ablösen, systematisch. Die sogenannte Artendurchflussrate ging um etwa ein Drittel zurück. Diese Entwicklung wirft Fragen zur Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme auf.

Die Natur funktioniert normalerweise wie ein sich selbst erneuernder Mechanismus, bei dem Arten sich allmählich gegenseitig ersetzen. — Emanuel Nwankwo

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die grundlegenden evolutionären Prozesse weiterwirken, auch wenn sich die sichtbaren Veränderungen abschwächen. Allerdings warnt der Forscher Axel Rossberg davor, diese Verlangsamung mit Stabilität gleichzusetzen. Die Lage bleibt fragil.

Erklärungsansatz: Die Theorie der multiplen Attraktoren

Zur Deutung des Phänomens ziehen die Wissenschaftler die 2017 vom Physiker Guy Bunin vorgeschlagene Theorie der 'multiplen Attraktoren' heran. Sie könnte helfen zu verstehen, warum sich die Veränderungsraten in den Lebensgemeinschaften verringert haben, obwohl der Klimawandel weiterhin Druck ausübt. Die Studie unterstreicht zudem, wie entscheidend ein kontinuierliches Biodiversitäts-Monitoring ist, um daraus wirksame Umweltschutzstrategien abzuleiten.

Die evolutionäre Geschichte lehrt, dass Wandel ein dauerhafter Prozess ist – wie das Beispiel des vor 307 Millionen Jahren lebenden Tetrapoden Tyrannoroter heberti zeigt. Die Untersuchung heutiger Veränderungsmuster hilft Forschern zu begreifen, wie die Evolution auf die aktuellen Umweltveränderungen reagiert.

Insgesamt legt die Studie nahe, dass die Dynamik der Biodiversität möglicherweise weniger sensibel auf die globale Erwärmung reagiert als angenommen. Die Ergebnisse betonen die Notwendigkeit, die evolutionären Mechanismen und ihr Wechselspiel mit dem Klimawandel weiter zu erforschen. Dies hat erhebliche Konsequenzen für den Artenschutz und den Erhalt von Ökosystemen und könnte künftige Naturschutzpolitik und Anpassungsstrategien maßgeblich beeinflussen.


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