Ex-Botschafter Dechtschyzja mahnt zur Besonnenheit im Ukraine-Polen-Streit um UPA-Ehrung.
Warum Gelassenheit in den Beziehungen zwischen Kiew und Warschau jetzt entscheidend ist
Nach Angaben von Espreso.tv: Der frühere ukrainische Außenminister und langjährige Diplomat Andrij Dechtschyzja hat in der aktuellen Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und Polen zur Mäßigung aufgerufen. Konkret geht es um die Benennung eines ukrainischen Spezialeinheitszentrums nach den „Helden der UPA“. Dechtschyzja, der von 2014 bis 2022 als Botschafter in Polen diente, betonte, man müsse „die Ruhe bewahren und Emotionen beiseiteschieben“. Er sieht die Notwendigkeit eines sachlichen Dialogs, um negative Folgen für das bilaterale Verhältnis zu vermeiden.
Die Eskalation im Detail
Der Konflikt eskalierte am 26. Mai 2023, als Präsident Wolodymyr Selenskyj per Dekret dem „Separaten Zentrum für Spezialoperationen ‚Nord‘“ den Ehrennamen „der Helden der UPA“ verlieh. Diese Entscheidung rief in Polen scharfe Kritik hervor. Bereits drei Tage später, am 29. Mai 2023, kündigte der polnische Präsident Karol Nawrocki an, Selenskyj die höchste polnische Auszeichnung aberkennen zu wollen.
Die Spannungen weiteten sich aus: Am 2. Juni 2023 forderte der stellvertretende polnische Sejmmarschall Krzysztof Bosak, den EU-Beitritt der Ukraine zu blockieren. Als Reaktion auf diese angespannte Lage appellierte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha am 3. Juni 2023 an beide Seiten, sich zu verständigen und die guten nachbarschaftlichen Beziehungen zu wahren.
Der Streit beschäftigt nicht nur Diplomaten, sondern auch führende Politiker. Der polnische Regierungschef Donald Tusk warnte mit Blick auf den Konflikt: „Wenn wir uns um die Vergangenheit streiten, gewinnt jemand anderes die Zukunft.“
Der polnische Experte Włodzimierz Czarzasty wies zudem darauf hin, dass es im ureigenen Interesse Polens liege, gute Beziehungen zur Ukraine zu pflegen. Trotz der historisch aufgeladenen Differenzen hätten beide Länder gemeinsame strategische Ziele, die es zu verfolgen gelte.
Zusammengefasst sind beide Seiten gefordert, an einer Lösung zu arbeiten und die Stabilität ihrer bilateralen Beziehungen zu sichern. Dies wäre ein positives Signal für die Zukunft der Ukraine und Polens.
Die Partnerschaft zwischen Kiew und Warschau ist von strategischer Bedeutung – besonders mit Blick auf die europäische Integration und die regionale Sicherheit. Konflikte um historische Fragen dürfen diese Zusammenarbeit nicht nachhaltig belasten. Ein konstruktiver Dialog und das beiderseitige Bemühen um gute Nachbarschaft sind unerlässlich für die Stabilität in der Region. In Zeiten großer Herausforderungen sollten beide Länder ihre gemeinsamen Interessen nicht aus den Augen verlieren, was auch die Position der Ukraine auf der internationalen Bühne stärken würde.
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