Gefrorenes Mausgehirn zeigt nach dem Auftauen wieder Aktivität – Forscher erzielen Durchbruch.
Neuronale Vitalität nach Tiefkühlung: Neue Studie aus Deutschland
Nach Angaben von TSN.ua: Einem Team um den Neurologen Alexander Hermann von der Universität Erlangen-Nürnberg ist es gelungen, bei Mäusehirngewebe nach dem Einfrieren und Auftauen teilweise wieder zelluläre Funktionen nachzuweisen. Die Wissenschaftler nutzten dafür die sogenannte Vitrifikation, ein Verfahren, bei dem das Gewebe blitzartig gekühlt wird, um Eiskristallbildung zu vermeiden und die Struktur zu schützen. Dies könnte langfristig den Umgang mit empfindlichen Nervenzellen in der Forschung verändern.
So lief das Experiment ab
Die untersuchten Hirnschnitte der Maus waren etwa 350 Mikrometer dick. Sie wurden mit flüssigem Stickstoff auf minus 196 Grad Celsius heruntergekühlt und anschließend für zehn Minuten bis zu sieben Tage lang bei minus 150 Grad Celsius gelagert. Nach dem Auftauen ergab die Analyse, dass die Membranen der Neuronen und Synapsen intakt geblieben waren – ein klares Zeichen für den Erfolg der Methode.
Elektrophysiologische Messungen zeigten, dass die aufgetauten Nervenzellen auf Reize fast genauso reagierten wie unbehandelte Kontrollzellen. Zudem blieb in den aufgetauten Schnitten die langfristige Potenzierung erhalten, ein wichtiger Indikator für funktionale neuronale Aktivität. Allerdings konnten die Wissenschaftler diese Aktivität nur über einen Zeitraum von wenigen Stunden nach dem Auftauen beobachten.
Die Autoren der Studie betonen ausdrücklich, dass ihre Arbeit nicht bedeutet, dass eine Kryokonservierung des gesamten Menschen nun möglich sei. Vielmehr eröffne sie neue Perspektiven für die Grundlagenforschung. Die Ergebnisse könnten helfen, Methoden zur Lagerung von Zellen und Geweben in der Medizin zu verbessern – insbesondere in der Neurobiologie.
Dieser Erfolg beim Erhalt der neuronalen Vitalität zeigt das Potenzial neuer Technologien in der Medizin, besonders im Hinblick auf die Konservierung von Nervengewebe für künftige Forschungszwecke. – Quelle: Studie des Neurologen Alexander Hermann
Die Resultate könnten als Grundlage dienen, um Verfahren zu entwickeln, die die Funktionsfähigkeit von Zellen unter extremen Bedingungen bewahren. Das wäre beispielsweise für die Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer oder Parkinson von Bedeutung. Künftige Studien sollen nun prüfen, ob sich die Vitrifikation auch auf andere Zell- und Gewebetypen übertragen lässt – ein vielversprechender Ansatz für die Biomedizin.
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