Wenn Seen verschwinden: Wie der Wasserverlust in Tibet Erdbeben auslöst.
Geologische Studie zum tibetischen Hochland
Nach Angaben von TSN.ua: Forscher der Chinesischen Akademie der Geowissenschaften haben die seismische Aktivität in Südtibet untersucht. Ihre Studie zeigt: Das Austrocknen uralter Seen ließ die Erdkruste ansteigen und setzte tektonische Verwerfungen in Bewegung. Die Region war vor etwa 115.000 Jahren noch von riesigen Gewässern bedeckt. Bis heute bleibt sie seismisch hochaktiv, was auf den seit rund 50 Millionen Jahren andauernden Zusammenstoß der Indischen und der Eurasischen Kontinentalplatte zurückgeht.
Der Zusammenhang zwischen Wasser und Beben
Am Beispiel des Sees Nam Co, der heute eine Länge von 75 km aufweist, konnten die Wissenschaftler den Effekt belegen. Als dieser See zwischen 115.000 und 30.000 Jahren vor unserer Zeit austrocknete, verringerte sich die Last auf die Erdkruste. Dies führte zu einer Verschiebung der nächstgelegenen Verwerfung um 15 Meter. Weiter südlich betrug die Verschiebung sogar 70 Meter. Die Studie macht deutlich, dass hydrologische Veränderungen die seismische Aktivität einer Region maßgeblich beeinflussen können.
In Südtibet bewegen sich die Verwerfungen mit einer Geschwindigkeit von 0,2 bis 1,6 Millimetern pro Jahr. Der letzte große Gletschervorstoß endete vor etwa 20.000 Jahren. Das anschließende Abschmelzen der Eismassen löste dann vor rund 10.000 Jahren eine Hebung der Erdkruste aus. Solche geologischen Prozesse haben weitreichende Folgen für die Stabilität der Region, da starke Erdbeben die lokale Bevölkerung ernsthaft gefährden können.
Historisch belegt sind in der Region bereits Erdbebenserien der Stärke 7 bis 8, wie beispielsweise im Mississippi-Tal in den Jahren 1811 und 1812. Die Erforschung des Wechselspiels zwischen Wasserhaushalt und Erdbebenaktivität ist daher ein entscheidender Schritt, um die Geologie Südtibets besser zu verstehen. Die tektonischen Spannungen in dieser Kollisionszone der Kontinente bilden den ständigen Hintergrund für diese Phänomene.
Die Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit eines kontinuierlichen Monitorings der hydrologischen Veränderungen in der Region. Angesichts der langen Geschichte schwerer Beben in Südtibet können diese Erkenntnisse dazu beitragen, Risikominderungsstrategien zu entwickeln und die Bevölkerung besser vor möglichen Naturgefahren zu warnen.
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