Neues Gesetz zu Bürgerbeteiligung verabschiedet – tritt aber erst nach Kriegsende in Kraft.
Gesetz über öffentliche Konsultationen in der Ukraine
Nach Angaben von Espreso.tv: Im Jahr 2024 hat die Ukraine ein Gesetz verabschiedet, das die Zusammenarbeit zwischen Behörden und Gesellschaft verbessern soll: das Gesetz über öffentliche Konsultationen. Allerdings wird es erst zwölf Monate nach Ende oder Aufhebung des Kriegsrechts wirksam. Vitali Glischynskyj, Koordinator des Netzwerks und Projektleiter der Initiative „Aktive Gemeinde“, analysiert den aktuellen Stand öffentlicher Konsultationen in der Ukraine und zeigt sowohl Probleme als auch Verbesserungspotenziale auf.
Zwischen 2019 und 2025 verabschiedete das ukrainische Parlament knapp 1800 Gesetze, während über zehntausend Gesetzesentwürfe registriert wurden. Eine bedeutende Initiative, die 2024 öffentlich diskutiert wurde, war die Konsultation zum Entschädigungsmechanismus für Schäden durch die russische Aggression. Glischynskyj betont jedoch, dass die größte Herausforderung in der Kultur der öffentlichen Konsultationen liegt.
„Die eigentliche Herausforderung ist die Kultur“ – Vitali Glischynskyj
Herausforderungen und Chancen für Verbesserungen
Ein zentrales Manko des Gesetzes ist, dass Volksabgeordnete nicht verpflichtet sind, Konsultationen durchzuführen. Vitali Glischynskyj schlägt mehrere Maßnahmen vor, um die Kultur öffentlicher Konsultationen zu verbessern. Dazu gehören:
- die Anzahl der Gesetze reduzieren;
- Abgeordnete stärker in den Prozess einbinden;
- die zwölfmonatige Übergangsfrist streichen;
- regelmäßige Konsultationen zur Praxis machen.
„Eine öffentliche Konsultation ist ein Vertrauensband“ – Vitali Glischynskyj
Glischynskyj ruft die Behörden zudem dazu auf, keine Angst vor Konsultationen zu haben und Kritik nicht als persönlichen Angriff zu werten. Diese Schritte könnten nicht nur die Interaktion zwischen Regierung und Öffentlichkeit verbessern, sondern auch das Vertrauen in staatliche Institutionen in der Ukraine stärken.
Die Verabschiedung des Gesetzes über öffentliche Konsultationen zeigt das Bemühen des Staates, den Dialog mit der Gesellschaft zu fördern und sich an die durch den Krieg geschaffenen neuen Gegebenheiten anzupassen. Obwohl das Gesetz erst nach dem Ende des Kriegsrechts in Kraft tritt, bergen Initiativen wie öffentliche Konsultationen das Potenzial, eine transparentere und verantwortungsvollere Verwaltung zu formen. Gleichzeitig bleiben die kulturellen Hürden bei öffentlichen Konsultationen bestehen und erfordern aktives Handeln der Behörden.
Lesen Sie auch
- Präsident stößt Gründung eines Nationalen Pantheons an: Wer hat Chancen auf Aufnahme und nach welchen Regeln?
- Xi Jinping stärkt Belarus den Rücken: Das besprachen die beiden Staatschefs in Peking
- Der U.S. Supreme Court entscheidet über das Schicksal von Tausenden von Stimmzetteln: Werden Stimmen, die nach dem Wahltag abgegeben werden, verworfen?
- Serbien vor dem Kipppunkt: Nach neun Jahren an der Macht fällt Vučićs Zustimmung unter die 50-Prozent-Marke
- Reservierung in systemrelevanten Firmen: Die Höhe des Stellenanteils spielt für die Aufnahme keine Rolle
- Nach Angriff auf Dnipro: Selenskyj fordert mehr Schutz für die Ukraine

