Nach 24-stündiger Marathonsitzung: Wie die Ukraine am 28. Juni 1996 ihre Verfassung bekam.

Nach 24-stündiger Marathonsitzung: Wie die Ukraine am 28. Juni 1996 ihre Verfassung bekam
Nach 24-stündiger Marathonsitzung: Wie die Ukraine am 28. Juni 1996 ihre Verfassung bekam

Die Verabschiedung der ukrainischen Verfassung

Nach Angaben von Espreso.tv: Es war der 28. Juni 1996, als die Werchowna Rada, das ukrainische Parlament, nach einer fast 24-stündigen ununterbrochenen Sitzung die Verfassung der Ukraine verabschiedete. Die Abstimmung fand unter Hochspannung und politischen Auseinandersetzungen statt. Zuvor hatte das Land fast fünf Jahre lang nach der alten Verfassung der Ukrainischen SSR von 1978 gelebt. Die entscheidende Sitzung begann bereits am Vortag, dem 27. Juni, und zog sich bis in die Nacht zum 28. Juni hinein.

Der geschichtliche Hintergrund

Schon früh nach der Unabhängigkeit wurde der Grundstein für ein neues Grundgesetz gelegt: Die erste Verfassungskommission stand unter der Leitung von Leonid Krawtschuk und Iwan Pljuschtsch. 1994 folgte eine neue Kommission unter dem Vorsitz von Leonid Kutschma und Oleksandr Moros, die die Arbeit am Verfassungstext fortsetzte. Ein Jahr später, im Juni 1995, einigten sich Präsident und Parlament auf einen Verfassungsvertrag, der die Weichen für die endgültige Verabschiedung stellte.

Kurz vor der entscheidenden Abstimmung, am 26. Juni 1996, kündigte der Präsident ein für den 25. September geplantes Referendum zur Verfassungsfrage an. Dies zeigt, wie brisant und gesellschaftlich umstritten die Verfassungsreform damals war. Am Ende stimmten 315 Abgeordnete für das neue Grundgesetz – ein klares Votum in einer historischen Nacht.

Oleksandr Moros, Vorsitzender der Verfassungskommission, erklärte damals: 'Ich schlug vor, dass das Parlament ohne Unterbrechung arbeiten sollte.'

Mit dieser Entscheidung wurde nicht nur die rechtliche Grundlage des Landes gefestigt, sondern auch ein entscheidender Schritt zur Etablierung eines unabhängigen Staates getan. Die Verfassung war mehr als nur ein Gesetzestext – sie war ein Symbol für den endgültigen Bruch mit der Sowjetvergangenheit.

Sie legte die Staatsordnung fest, definierte die Rechte und Pflichten der Bürger und schuf klare Strukturen für die staatlichen Institutionen. Dies trug maßgeblich zur politischen Stabilisierung des Landes bei. Seitdem wird der 28. Juni in der Ukraine jährlich als Tag der Verfassung gefeiert – ein Datum, das die Bedeutung dieses Dokuments für die nationale Identität unterstreicht.


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