4,6 Millionen Binnenvertriebene ohne Wohnung: Warum staatliche Hilfen nicht greifen.
Die Lage der Binnenvertriebenen in der Ukraine
Nach Angaben von Espreso.tv: Im Februar 2026 waren in der Ukraine offiziell über 4,6 Millionen Menschen als Binnenvertriebene (englisch: Internally Displaced Persons, kurz IDPs) registriert. Tatsächlich befinden sich jedoch nur rund 3,7 Millionen von ihnen noch im Status der Vertreibung. Viele dieser Menschen sind Frauen und Kinder, die sich in frontnahen und zentralen Gebieten sowie in großen, als sicher geltenden Städten niedergelassen haben. Für zahlreiche Familien bleibt die Wohnungssuche eine enorme Hürde – so auch für Oksana Kostowska, die bereits 2014 zur Vertriebenen wurde und 2023 mit ihren drei Kindern nach Lwiw zog.
Oksana Kostowska erlebte die Zerstörung ihres Hauses, Gefangenschaft und unzählige Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche.
„Ich ging mit Ljonja auf dem Arm hinaus und fiel auf die Knie. Mein Gott, ich weinte so sehr, ich schrie so laut, weil mir klar wurde: Das war es, niemand würde mich mehr belästigen, ich war endlich in Sicherheit …“– erinnert sie sich an ihren Weg an einen sicheren Ort. Die Wohnungsprobleme wurden existenziell, und selbst intensive Bemühungen um Hilfe blieben erfolglos:
„Ich war kurz davor, aufzugeben. Über Bekannte gingen wir sogar zum Fernsehen. Ich habe das Thema auch in den sozialen Medien angesprochen. Laut Statistik haben 120.000 Menschen das gesehen, aber niemand von diesen 120.000 hat zum Beispiel eine Unterkunft angeboten“– so Kostowska.
Staatliche Programme und Initiativen
Der Staat verfügt über mehrere Instrumente zur Unterstützung von Binnenvertriebenen, darunter:
- monatliche Beihilfen für den Lebensunterhalt (2000 Griwna für Erwachsene, 3000 Griwna für Kinder und Menschen mit Behinderungen);
- Programme für modulare und vorübergehende Unterkünfte.
Das Programm „JeOselja“ bietet Binnenvertriebenen vergünstigte Kreditzinsen (3 % oder 7 %), doch die Realität bleibt schwierig. Rund 40 % der Vermieter zweifeln an der Zahlungsfähigkeit der Vertriebenen, und 32 % fürchten, dass Mieter ohne Bezahlung verschwinden könnten. Diese systemischen Hürden erschweren die Wohnungssuche erheblich.
In Lwiw wurde kürzlich der Gewinner eines Architekturwettbewerbs für einen neuen Sozialwohnungskomplex in der Iwan-Welytschkowskyj-Straße bekannt gegeben, der 300 Wohnungen umfassen soll. Diese Initiative könnte ein wichtiger Schritt zur Lösung der Wohnungsprobleme für Binnenvertriebene sein. Dennoch zeigt die aktuelle Lage, dass die Bedürfnisse der IDPs trotz staatlicher Programme bei weitem nicht gedeckt sind.
„Diese Mutter des Klassenkameraden meines Sohnes sagte: ‚Du wirst nicht auf der Straße landen. Beruhige dich. Jetzt finden wir eine Unterkunft für dich‘“– erzählt Oksana und unterstreicht damit die Bedeutung von Unterstützung und Solidarität in schweren Zeiten.
Die Situation der Binnenvertriebenen in der Ukraine bleibt angespannt, ungeachtet der staatlichen Bemühungen um ihre Unterstützung. Die hohe Zahl der Vertriebenen und der Mangel an bezahlbarem Wohnraum verdeutlichen die Notwendigkeit eines umfassenderen Ansatzes zur Bewältigung dieses Problems. Jüngste Projekte wie der neue Sozialwohnungskomplex in Lwiw könnten sich positiv auswirken, doch um die Wohnungsfrage effektiv zu lösen, müssen auch die sozialen und wirtschaftlichen Barrieren abgebaut werden, mit denen Vertriebene konfrontiert sind. Ein besseres Verständnis der Herausforderungen, denen IDPs gegenüberstehen, könnte der erste Schritt hin zu einer inklusiveren Gesellschaft sein.
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