Schlafmangel erhöht das Verlangen nach Süßem: Wie Schlaf den Appetit beeinflusst.
Nach Angaben von ТСН: Unzureichender Schlaf verschlechtert nicht nur die Stimmung, sondern verändert auch, wie das Gehirn Gerüche wahrnimmt, was sich wiederum auf den Appetit auswirken kann. Kurzschlaf aktiviert neuronale Mechanismen, ähnlich denen, die auf Cannabis reagieren, und macht süße und fetthaltige Speisen attraktiver.
Die Forschung unter der Leitung von Thorsten Kant an der Feinberg School of Medicine zielt darauf ab, zu untersuchen, wie Schlafmangel das olfaktorische System und die Nahrungsmittelwahl beeinflusst. An dem Experiment nahmen 25 gesunde Erwachsene teil, die abwechselnd entweder 4 Stunden oder 8 Stunden Schlaf hatten. In dem Blut der Teilnehmer wurde nach einer kurzen Nacht ein erhöhter Spiegel von 2-Oleoylglycerin festgestellt — einem Molekül, das die Cannabinoidrezeptoren aktiviert.
Während der kurzen Nächte berichteten die Teilnehmer nicht von einem signifikanten Unterschied im Hunger, jedoch änderte sich ihre Nahrungsmittelwahl: Menschen, die nicht gut geschlafen hatte, wählten ständig kalorienreichere Produkte, wie beispielsweise süße Donuts statt Muffins.
Im zweiten Teil des Experiments wurden MRT-Scans durchgeführt, während die Teilnehmer verschiedene Nahrungsgerüche einatmeten. Diejenigen, die wenig Schlaf hatten, zeigten eine stärkere Reaktion im Gehirnbereich, der für die Verarbeitung von Gerüchen zuständig ist, jedoch war dies nicht ausreichend, um ihre Nahrungspräferenzen klar zu erklären.
Die Wissenschaftler stellten fest, dass die Verbindung zwischen der birnenförmigen Hirnrinde und dem Insula — dem Regulator des Essverhaltens — bei Personen mit erhöhtem 2-Oleoylglycerin deutlich schwächer war. Diese Verminderung des Informationsflusses könnte erklären, warum das Gehirn nach einem kurzen Schlaf vermehrt nach kalorienreicher Nahrung verlangt.
Neurobiologe Christian Benedict stellt fest, dass die Ergebnisse der Studie vielversprechend sind, betont jedoch, dass nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Weckzeit die Ergebnisse beeinflussen kann.
Das Team von Kant plant, die Forschung fortzusetzen, um zu klären, wie sich der Geruch im Laufe des Tages verändert und wie dies das Essverhalten beeinflusst. Eines der Projekte wird der Untersuchung des Einflusses von langen Essenspausen (intermittierendem Fasten) auf die Biorhythmen sowie die Reaktion des Gehirns auf Gerüche gewidmet sein.
Wissenschaftler glauben, dass ein besseres Verständnis dieser Mechanismen neue Ansätze zur Verbesserung des Essverhaltens und zur Behandlung von Fettleibigkeit eröffnen kann, da der Geruch sich als wichtiger für die Kontrolle des Appetits herausstellt, als bisher angenommen.
Untersuchung des Einflusses von Schlafmangel auf den Appetit
Im Jahr 2017 führte ein Forscherteam unter der Leitung von Eric DeHezy eine pilotierende randomisierte Studie an einer gesunden Person ohne Diabetes durch. Die Teilnehmerin verwendete einen Fitness-Tracker und einen Glukosemonitor und füllte mehrere Male täglich Fragebögen zu Stimmung und Essverlangen aus. An bestimmten Nächten wurde ihr Schlaf künstlich auf vier Stunden beschränkt, während sie an anderen Nächte nicht weniger als sechs Stunden schlief.
Die erste Analyse ergab keine signifikante Erhöhung des durchschnittlichen Blutzuckerspiegels nach Nächten mit Schlafmangel. Eine detaillierte Analyse zeigte jedoch, dass der Blutzuckerspiegel nach kurzem Schlaf eine größere Variabilität aufwies – die Werte schwankten im Laufe des Tages und blieben nicht in stabilen Grenzen. Dies weist darauf hin, dass nicht so sehr der gesamte Blutzuckerspiegel hoch war, sondern vielmehr die abrupten Änderungen.
Ein weiterer wichtiger Aspekt betraf das Essverhalten: Nach Nächten mit unzureichendem Schlaf hatte die Teilnehmerin häufiger Verlangen nach kalorienreichen Lebensmitteln. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Schlafmangel die Wahrscheinlichkeit von „Essgelüsten“ am nächsten Tag erhöht, selbst bei Personen ohne Diabetes.
Darüber hinaus wurde der emotionalen Zustand der Teilnehmerin anhand der PANAS-Skala bewertet. Es gab keine signifikanten Veränderungen in positiven Emotionen, jedoch führte Schlafmangel zu einer Verstärkung negativer Emotionen.
Wissenschaftler betonen, dass diese pilotierende Studie eine sehr geringe Stichprobengröße hat, daher können ihre Ergebnisse nicht bedingungslos auf andere Fälle verallgemeinert werden. Sie weist jedoch auf einen wichtigen Trend hin: Selbst eine kurze Nacht ohne Schlaf kann zu erhöhter Essgelüste und einer Verschlechterung des emotionalen Zustands einer gesunden Person führen.
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