Ukrainer in der Schweiz protestieren gegen Auftritte von Netrebko: Reaktion der Behörden.

Ukrainer in der Schweiz protestieren gegen Auftritte von Netrebko: Reaktion der Behörden
Ukrainer in der Schweiz protestieren gegen Auftritte von Netrebko: Reaktion der Behörden

Nach Angaben von Korrespondent.net: Die Botschaft der Ukraine in der Schweiz und die ukrainische Gemeinde in Zürich forderten die lokalen Behörden und die Leitung der Zürcher Oper auf, die am 2. November geplanten Auftritte der russischen Sängerin Anna Netrebko abzusagen. Die Diplomaten betonen, dass die Anwesenheit der Künstlerin, die den Aggressor unterstützt, den europäischen Werten widerspricht und die Ukrainer beleidigt.

Was ist passiert

Die ukrainische Botschaft in der Schweiz veröffentlichte einen offenen Brief von Botschafterin Irina Venediiktova, der von mehr als 90 prominenten Persönlichkeiten unterzeichnet wurde, darunter die Sportler Andriy Schewtschenko, Yaroslav Mahuchikh, Olha Harlan, Elina Svitolina, die Nobelpreisträgerin Oleksandra Matviichuk sowie Kulturschaffende, Mitglieder des Nationalrates der Schweiz und ukrainische Parlamentarier. In dem Schreiben wird betont, dass kulturelle Institutionen unabhängig sein sollten, doch die Vergabe einer Bühne an eine Künstlerin, die den Aggressor unterstützt, sei eine 'Weißwäsche von Verbrechen' und ein schmerzhaftes Signal für die Ukrainer.

 

'Wenn russische Drohnen den europäischen Luftraum 'testen'… ist es dann an der Zeit, den russischen 'kulturellen' Drohnen zu applaudieren, die ihre Tentakeln in eure Herzen ausstrecken?'
- schrieb Venediiktova.

Reaktion der Behörden und der Oper

Die Botschaft teilte mit, dass sie sich an den Kulturminister gewandt, Beratungen mit dem Außenministerium und Treffen mit dem Präsidenten der Oper, Markus Notter, sowie dem Intendanten Matthias Schulz durchgeführt hat. Briefe wurden auch an die Sponsoren der Oper, kantonale und kommunale Behörden Zürichs sowie an Mitglieder der Bundesversammlung gesendet. In der Antwort fordern Vertreter der Oper und einige Beamte dazu auf, 'Politik und Kultur zu trennen', und erwähnen die anti-kriegs Haltung Netrebkos im Jahr 2022, als sie den Aggressor nicht direkt nannte.

Aktionen der Gemeinde

Die ukrainische Studentenvereinigung in Zürich hat mit Unterstützung der Botschaft eine Petition 'Keine Bühne für Propaganda: Stoppt die Auftritte von Netrebko' ins Leben gerufen. Letzten Samstag fand eine Demonstration vor der Zürcher Oper statt, bei der die Teilnehmer eine Installation mit Portraits von Kulturschaffenden der Ukraine aufstellten, die aufgrund der russischen Aggression ums Leben kamen, und betonten, dass 'Kunstfreiheit nicht als Rechtfertigung für den Krieg dienen darf'.

Kontext

Der ukrainischen Botschaft ist es bereits gelungen, die Konzerte von Netrebko in Vaduz (2023) und Luzern (2024) abzusagen. Diesmal bleiben ihre Auftritte im Programm, jedoch wächst der Druck von Seite der Diplomaten und der Gemeinde. Im Oktober trat Netrebko bereits in Neapel und London auf und kehrte nach vorübergehenden Einschränkungen, die in den ersten Monaten der umfassenden Invasion der RF eingeführt wurden, wieder auf die großen Bühnen zurück.

Was kommt als Nächstes

Die weitere Entscheidung über die Konzerte in Zürich hängt von der Reaktion der Behörden, der Leitung der Oper und der Sponsoren ab. Die ukrainischen Diplomaten hoffen, dass die Schweiz, trotz ihrer traditionellen Neutralität, in dieser ethischen Frage nicht gleichgültig bleibt.

 

'Es ist keine Zensur, sondern Verantwortung. Kultur darf kein Vorwand für Gleichgültigkeit sein.'
- betont die Botschaft der Ukraine.

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