Stress und übermäßiges Essen: Wie Hormone uns zum Essen von Süßigkeiten zwingen.

Stress und übermäßiges Essen: Wie Hormone uns zum Essen von Süßigkeiten zwingen
Stress und übermäßiges Essen: Wie Hormone uns zum Essen von Süßigkeiten zwingen

Nach Angaben von ТСН: Wenn wir Stress empfinden, haben wir oft das Verlangen, etwas Süßes oder Fettiges zu essen. Dieses Phänomen erklärt sich nicht nur durch einen schwachen Willen. Wissenschaftler glauben, dass hinter unserem Essverhalten in Stresssituationen ein komplexes Zusammenspiel von Hormonen steht, das zu Gewichtszunahme und Fettleibigkeit führen kann.

Wie Stress den Appetit verändert

Zu Beginn starken Stresses kann der Appetit verschwinden. Der Körper aktiviert die „Kampf oder Flucht“-Reaktion, wenn die Nebennieren Adrenalin ausschütten. In diesem Zustand wird die Verdauung gestoppt, da sich der Körper auf das Überleben vorbereitet. Wenn der Stress jedoch chronisch wird, ändert sich die Situation. Die Nebennieren beginnen, Cortisol zu produzieren, was den Appetit und die Motivation zur Nahrungsaufnahme steigert. Bei normalen Cortisolspiegeln sinkt dessen Menge nach Stress, aber bei ständiger Anspannung bleibt dieses Hormon erhöht, was ebenfalls das Verlangen nach Essen steigert.

Hungerhormone und Komfortnahrung

Stress beeinflusst nicht nur das Gefühl des Hungers, sondern auch die Wahl der Lebensmittel. Studien zeigen, dass unter physischem oder emotionalem Stress Menschen und Tiere eher fetthaltige und süße „Komfortnahrung“ bevorzugen.

Dies erklärt sich durch die Wirkung mehrerer Hormone:

  • Cortisol steigert zusammen mit Insulin das Interesse an kalorienreichen und schmackhaften Lebensmitteln.

  • Ghrelin — das „Hungerhormon“ — ist verantwortlich für das starke Verlangen nach Nahrungsaufnahme, insbesondere nach zucker- und fettreichen Lebensmitteln.

In einer sechsmonatigen Studie mit 339 Erwachsenen nahm fast die Hälfte der Teilnehmer zu. Es stellte sich heraus, dass ein höherer Ausgangswert von Ghrelin mit einem stärkeren Verlangen nach Essen nach sechs Monaten verbunden ist, während erhöhtes Cortisol und chronischer Stress eine größere Gewichtszunahme in der Zukunft vorhersagen.

Süße und fettige Nahrung vermittelt tatsächlich ein Gefühl des „Komforts“, indem sie die Stressreaktion vorübergehend reduziert. Das Gehirn merkt sich diese Erleichterung und bildet eine Verbindung „es geht mir schlecht — ich muss etwas essen“, was zu einem Teufelskreis des stressbedingten Überessens führt.

Wer überisst sich häufiger wegen Stress

Wissenschaftler haben geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Nahrungsaufnahme während Stress festgestellt:

  • Frauen suchen häufiger nach Essen;

  • Männer neigen eher zu Alkohol oder Rauchen.

Eine Studie in Finnland mit über 5.000 Erwachsenen zeigte, dass das Essen unter Stress bei Frauen Fettleibigkeit verursachen kann, während bei Männern kein solcher Zusammenhang festgestellt wurde. Auch Personen mit Übergewicht sind unter Stress eher geneigt, Gewicht zuzulegen, insbesondere wenn sie erhöhtes Insulin haben.

Britische Wissenschaftler stellten fest, dass Menschen mit hohen Cortisolwerten häufiger auf geringe Probleme mit Snacks reagieren als diejenigen mit niedrigeren Cortisolwerten. Es ist wichtig zu beachten, dass Überessen nicht der einzige Risikofaktor ist. Menschen, die ständig Stress erleben, bewegen sich in der Regel weniger, schlafen schlechter und konsumieren häufiger Alkohol, was zusammen zur Gewichtszunahme führt.

Stress, Gehirn und „Essen als Belohnung“

Moderne neurobiologische Studien zeigen, dass die Gehirnsysteme, die für die Stressreaktion verantwortlich sind, mit den Belohnungszentren verbunden sind, in denen Dopamin eine wichtige Rolle spielt. Der gleiche Mechanismus wird sowohl bei Drogenkonsum als auch beim Verzehr von schmackhaften Lebensmitteln aktiviert. Chronischer Stress verändert die Funktionsweise dieser Netzwerke, erhöht die Empfindlichkeit gegenüber „Belohnungen“ und verringert die Fähigkeit des präfrontalen Kortex, impulsives Verhalten zu kontrollieren. Dies führt dazu, dass es unmöglich wird, auf Süßigkeiten oder Fast Food zu verzichten, ohne ein körperliches Hungergefühl zu haben, was Ähnlichkeiten mit einer Essenssucht hervorruft.

Was hilft, beim Stress nicht übermäßig zu essen

Fachleute empfehlen, zuerst hochkalorische „Rettungs-Snacks“ aus dem Haus zu entfernen, da deren Verfügbarkeit die Selbstbeherrschung erschwert. Hier sind einige effektive Ansätze:

  • Meditation — reduziert das Stressniveau und verbessert das Bewusstsein für Nahrungsimpulse.

  • Körperliche Aktivität — stabilisiert hormonelle Reaktionen und verringert die Auswirkungen von Cortisol.

  • Unterstützung von Angehörigen — ein wichtiger Faktor, der hilft, den Einfluss psychischer Stressfaktoren zu reduzieren.

Experten betonen: Stress kann nicht immer vermieden werden, aber die Regulierung seiner Auswirkungen auf das Gewicht ist durchaus möglich. Die richtigen Strategien helfen, gesunde Essgewohnheiten selbst in Stresssituationen zu bewahren.


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