Vom Kosakenführer zum kaiserlichen Offizier: Wie Jossyp Hladkyj die Sitsch verriet und sich Russland anschloss.
Jossyp Hladkyj: Der letzte Ataman der Donau-Sitsch und sein umstrittenes Erbe
Nach Angaben von Espreso.tv: Die Geschichte der ukrainischen Kosaken ist voller dramatischer Wendungen. Eine der umstrittensten Figuren ist Jossyp Hladkyj, der letzte Koschowy-Ataman der Sitsch jenseits der Donau. Sein Übertritt unter die russische Flagge im Jahr 1828 spaltete die Kosakengemeinschaft und veränderte deren Schicksal nachhaltig. Zuvor hatte bereits die Auflösung der Saporoger Sitsch am 3. August 1775 durch ein Manifest von Zarin Katharina II. eine Zäsur bedeutet. Der damalige Ataman Petro Kalnyschewskyj wurde verhaftet, was den Untergang der alten Kosakenordnung besiegelte.
In den folgenden Jahrzehnten verlagerte sich das Zentrum der Kosakenaktivität an die Donau. Dort bestand die sogenannte Donau-Sitsch für ein halbes Jahrhundert. Hladkyj erblickte vermutlich im Jahr 1789 im Dorf Melnyky im Kreis Solotonoscha des Gouvernements Poltawa das Licht der Welt. Ein wichtiger persönlicher Meilenstein war seine Hochzeit mit Feodossija Masur im Jahr 1813.
Militärische Verdienste und der folgenreiche Seitenwechsel
Der entscheidende Wendepunkt kam am 9. Mai 1828. An diesem Tag steuerte ein Teil der Donau-Kosaken gemeinsam mit ihrem Ataman auf 61 Booten das russische Ufer bei Ismajil an. Dies war der faktische Beginn ihrer Unterstellung unter das Zarenreich. Während der Erstürmung der Festung Isaktscha zeichnete sich Hladkyj aus und erhielt dafür das goldene Georgskreuz sowie die Schulterstücke eines Obersten. Nur ein Jahr später, 1829, wurde er in den Adelsstand erhoben. 1832 ernannte man ihn schließlich zum ersten ernannten Ataman des neu gegründeten Asowschen Kosakenheeres.
Jossyp Hladkyj starb am 5. Juli 1866. Sein Leben und Wirken sind ein Paradebeispiel für die schwierige Anpassung der Kosaken an die neuen politischen Gegebenheiten des 19. Jahrhunderts. Der Übertritt unter russische Hoheit und Hladkyjs Karriere zeigen den tiefgreifenden Wandel der Machtstrukturen im Schwarzmeerraum. Diese historischen Ereignisse sind der Schlüssel zum Verständnis der Transformation der ukrainischen Nationalbewegung und der Kosakentradition in jener Epoche.
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