Ungarn droht mit Gas- und Stromstopp für die Ukraine.
Energie als Druckmittel: Ungarns Drohkulisse
Nach Angaben von TSN.ua: Als Reaktion auf die Unterbrechung des russischen Öltransits durch die Pipeline "Druschba" erwägt die ungarische Regierung, die Lieferungen von Gas und Strom in die Ukraine komplett einzustellen. Diese mögliche Maßnahme ist eine direkte Antwort auf jüngste Entwicklungen, die die Energiesicherheit in der Region beeinträchtigt haben.
Der Stabschef von Ministerpräsident Viktor Orbán, Gergely Gulyás, bestätigte, dass die Regierung strategische Ölreserven freigegeben hat. Dieser Schritt unterstreicht die Ernsthaftigkeit der ungarischen Absichten im energiepolitischen Umgang mit der Ukraine. Die Sperrung der russischen Öllieferungen durch die "Druschba"-Pipeline ist der zentrale Auslöser für die nun ausgesprochenen Lieferdrohungen.
Ukraine in hoher Importabhängigkeit
Die Zahlen belegen die Abhängigkeit: Im Jahr 2025 importierte die Ukraine über 2,9 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Ungarn, was 45 % ihrer gesamten Gasimporte ausmachte. Im Januar 2026 sank dieser Anteil zwar auf 38 % (266 Millionen Kubikmeter), bleibt aber bedeutend. Zum Vergleich: Die Importe aus der Slowakei beliefen sich 2025 auf 1,3 Milliarden Kubikmeter (20 %).
Auch bei Strom zeigt sich ein kritisches Bild. 2025 bezog die Ukraine etwa 1,4 Millionen MWh Strom aus Ungarn, was 42 % ihrer Stromimporte entsprach. Im Februar 2026 stieg dieser Anteil sogar auf 50 %. Zudem deckte die Ukraine im Januar 2026 etwa 11 % ihres Dieselkraftstoff-Imports über die ungarisch-slowakische Route ab. Diese Verflechtung macht die ukrainische Energieversorgung verwundbar.
„Ungarn wird keinen Dieselkraftstoff in die Ukraine exportieren, solange der Transport von Öl durch die Druschba-Pipeline nicht wieder aufgenommen wird.“ - Péter Szijjártó, ungarischer Außenminister
Hintergrund der angespannten Lage ist auch ein russischer Angriff auf die Pipeline-Infrastruktur in Brody am 27. Januar 2023. Im Jahr 2025 transportierte die Ukraine über den südlichen Ast der "Druschba"-Pipeline nur noch etwa 9,73 Millionen Tonnen russischen Öls – ein Rückgang um 14 % gegenüber 2024 und der niedrigste Wert vermutlich seit 1991. Diese Daten zeigen, wie fragil die Versorgungsketten bereits sind.
Die Drohung aus Budapest verdeutlicht die akuten Risiken für die ukrainische Energiesicherheit. Vor dem Hintergrund des Krieges und volatiler Märkte wird die Notwendigkeit für die Ukraine deutlich, alternative Bezugsquellen zu erschließen und ihre eigene Energieunabhängigkeit zu stärken. Die weitere Entwicklung dieser Krise wird direkte Auswirkungen auf die Versorgungsstabilität und die wirtschaftliche Lage des Landes haben.
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