Die psychische Last der Ukraine: Vier Jahre Krieg hinterlassen tiefe Spuren.

Die psychische Last der Ukraine: Vier Jahre Krieg hinterlassen tiefe Spuren
Die psychische Last der Ukraine: Vier Jahre Krieg hinterlassen tiefe Spuren

Die psychische Verfassung der Bevölkerung nach Jahren im Krieg

Nach Angaben von Novyny.live: Vier Jahre nach Kriegsbeginn ist die mentale Gesundheit der Menschen in der Ukraine massiv belastet. Umfragedaten zeichnen ein alarmierendes Bild: Angststörungen, Depressionen und posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) sind weit verbreitet. Laut dem medizinischen System HELSI beschrieben zu Beginn des Jahres 2023 nur 4 % der Ukrainer ihren psychischen Zustand als 'sehr gut'. Diese Zahl allein offenbart das enorme Ausmaß der Krise.

Im Jahr 2025 waren mehr als 70 % der erwachsenen Ukrainer von Angst, Depression oder starkem Stress betroffen. Fast die Hälfte aller Befragten zeigte im vergangenen Jahr Anzeichen einer PTBS. Diese Zahlen belegen, wie tiefgreifend der Krieg die Psyche der Menschen verletzt hat.

Die Psychologin und Direktorin des Zentrums 'DiLenD', Olena Bortnikova, stellt fest: 'Wir befinden uns in einem Zustand chronischer Traumatisierung durch den Krieg.'

Den Erhebungen zufolge sind 75 % der Ukrainer unzufrieden mit ihrem Leben, und 65 % leiden unter einem hohen Angstlevel. Die häufigsten psychischen Probleme, mit denen die Menschen Hilfe suchen, sind:

  • Angstzustände
  • Depressive Verstimmungen
  • Symptome einer Zwangsstörung
  • Prokrastination
  • Perfektionismus
Olena Bortnikova weist darauf hin, dass 'PTBS verzögert auftreten kann'. Dies deutet auf mögliche Langzeitfolgen hin, die erst in der Zukunft sichtbar werden.

Expertinnen beschreiben mehrere Phasen des psychologischen Zustands: akuter Schock, Erschöpfung und Verlust, Anpassung und Funktionalität sowie psychische Überlastung. Bortnikova erklärt: 'Die Erfahrung vieler Länder mit langen Kriegszeiten zeigt leider, dass die Psyche der Menschen in einen Zustand der Mobilisierung übergeht.' Dies unterstreicht die Notwendigkeit eines umfassenden Ansatzes zur psychologischen Unterstützung der Bevölkerung in Kriegszeiten. Der anhaltende Ausnahmezustand erfordert spezielle Konzepte der Trauma-Bewältigung.

Ein wichtiger Lichtblick ist die Selbstreflexion. 'Wenn jemand in der Lage ist, sich selbst zu fragen: 'Warum bin ich traurig?', dann ist das schon zu 90 % eine Garantie dafür, dass diese Person allein damit zurechtkommen kann', so Olena Bortnikova. Diese Fähigkeit zur Selbstwahrnehmung ist ein entscheidender Schutzfaktor inmitten von Dauerstress und Unsicherheit.

Systemische Hilfe ist dringend erforderlich

Die psychische Gesundheit der Ukrainer nach vier Kriegsjahren braucht daher besondere Aufmerksamkeit und systematische Unterstützung. Es gilt, die identifizierten Probleme ernst zu nehmen und gezielte Hilfsangebote zu schaffen.

Die Situation macht deutlich, dass staatliche und zivilgesellschaftliche Maßnahmen unverzichtbar sind. Angesichts der schwerwiegenden Probleme muss die Arbeit psychologischer Dienste intensiviert, der Zugang zu Therapien gewährleistet und die Bevölkerung in Techniken der Selbstreflexion geschult werden. Bei einem Konflikt dieser Dauer müssen Strategien für die langfristige psychosoziale Rehabilitation der Betroffenen entwickelt werden. Die Unterstützung der mentalen Gesundheit muss auf allen gesellschaftlichen Ebenen Priorität erhalten, um eine Generation von Traumatisierten zu verhindern.


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