Russischer Weizenexport fällt auf tiefsten Stand seit 2017 – das sind die Hintergründe.

Russischer Weizenexport fällt auf tiefsten Stand seit 2017 – das sind die Hintergründe
Russischer Weizenexport fällt auf tiefsten Stand seit 2017 – das sind die Hintergründe

Rückgang der russischen Weizenausfuhren

Nach Angaben von Espreso.tv: Die russischen Exporteure werden im Juli 2023 voraussichtlich nur noch 1,5 Millionen Tonnen Weizen ins Ausland liefern. Das wäre ein drastischer Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum und liegt deutlich unter dem Fünfjahresdurchschnitt. Konkret bedeutet dies ein Drittel weniger als im Juli 2022, als noch 2,25 Millionen Tonnen exportiert wurden. Der durchschnittliche Export der letzten fünf Jahre belief sich auf 3,1 Millionen Tonnen. Damit erreichen die Ausfuhren im Juli 2023 den niedrigsten Wert seit 2017. Dieser historische Tiefstand verdeutlicht die aktuellen Schwierigkeiten der russischen Agrarwirtschaft.

Auswirkungen von Logistikproblemen und Drohnenangriffen

Der Rückgang der Weizenexporte fällt mit erheblichen logistischen Störungen zusammen, die durch Drohnenangriffe verursacht wurden. Am 11. Juli 2023 gab die russische Regierung bekannt, dass vorerst keine neuen Anträge für die Durchfahrt durch die Straße von Kertsch angenommen werden. Dies erschwert den Getreidetransport erheblich. Experten zufolge sind bis zu 25 Prozent der gesamten russischen Getreide- und Ölexporte von dieser Route abhängig. Die Bedeutung dieser Wasserstraße wird durch die Zahlen des Vorjahres unterstrichen: Damals wurden 14,7 Millionen Tonnen Getreide und verarbeitete Produkte über die Straße von Kertsch verschifft.

Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass 27 Prozent aller russischen Getreideexporte über den Don transportiert werden. Die Lage auf dem Seeweg bleibt jedoch angespannt. Am 18. Juli 2023 erklärte der Kommandeur der ukrainischen Spezialeinheit „SBU“ Robert „Madjar“ Browdi, dass sich die Prioritäten bei Angriffen auf russische Schiffe geändert hätten.

„Die Operation 'MoLoChKa' der SBU verlagert die Prioritäten des Feindes von der Front auf das Meer“, so Browdi.
Im Rahmen dieser Operation sollen ukrainische Sicherheits- und Verteidigungskräfte 183 Schiffe der russischen „Schattenflotte“ getroffen haben. Browdi zufolge
„war der Grund dafür, dass Russland beschlossen hat, etwa 200 Besatzungen des Flugabwehrsystems 'Rubikon' von der Frontlinie abzuziehen.“

Der Einbruch der russischen Weizenexporte im Juli 2023 verdeutlicht die ernsten Herausforderungen, denen sich das Land angesichts zunehmender militärischer Spannungen und logistischer Veränderungen gegenübersieht. Da Russland einer der weltweit führenden Exporteure ist, könnte diese Entwicklung den globalen Getreidemarkt stark beeinflussen. Die strategische Bedeutung der Straße von Kertsch für den Getreidetransport zeigt, wie kritisch die Lage in der Region ist. Jede weitere Verschlechterung könnte die weltweiten Lieferketten zusätzlich belasten und zu weiteren Preissteigerungen führen.


Lesen Sie auch

Werbung