Ukrainisches Parlament lehnt Entkriminalisierung von Pornografie ab: Gesetzesvorlage Nr. 12191 scheitert an Stimmen.
Der Gesetzesentwurf Nr. 12191 und seine Debatte
Nach Angaben von Espreso.tv: Am 28. Mai 2025 verfehlte die Gesetzesvorlage Nr. 12191 im ukrainischen Parlament die erforderliche Mehrheit. Sie sah vor, die Herstellung und Verbreitung von Pornografie unter einwilligenden Erwachsenen zu entkriminalisieren. Nur 207 Abgeordnete stimmten dafür, benötigt wurden 226 Stimmen. Die Abstimmung fand vor dem Hintergrund eines Polizeiskandals statt, bei dem es um den Schutz von sogenannten Porno-Büros ging.
Der Entwurf war Ende 2024 eingebracht worden, die Debatte darüber fiel jedoch in eine Zeit wachsender öffentlicher Empörung. Aktuell verbietet Artikel 301 des ukrainischen Strafgesetzbuches die Herstellung, Aufbewahrung und Verbreitung pornografischen Materials. Bei Verstößen drohen Geldstrafen zwischen 17.000 und 85.000 Griwna oder eine Freiheitsstrafe von bis zu sieben Jahren. Ein wichtiger Kontext: Am 31. März 2023 war das Gesetz „Zum Schutz der öffentlichen Moral“ außer Kraft getreten, was die Diskussion um die Vorlage zusätzlich beeinflusste.
Im Mai 2023 deckten Ermittler der Staatsanwaltschaft und des Sicherheitsdienstes auf, dass Polizeibeamte Porno-Studios gedeckt hatten. Dies lenkte die Aufmerksamkeit verstärkt auf die Regulierung von Pornografie in der Ukraine. Generalstaatsanwalt Ruslan Krawtschenko berichtete, dass bei einer Anti-Korruptionsaktion über 22,6 Millionen Griwna in bar beschlagnahmt wurden. Im Rahmen dieser Operation sollen Leiter regionaler Polizeibehörden monatlich 20.000 Dollar dafür erhalten haben, die Studios zu schützen. Im vergangenen Jahr wurden fast 1.500 Verstöße nach Artikel 301 des Strafgesetzbuches registriert.
Diskussionen und Argumente
Die Debatte über die Entkriminalisierung von Pornografie spaltete die Abgeordneten. Iwan Wyhiwskyj äußerte die Befürchtung, dass
„diese ganze Legalisierung dazu führen wird, dass all dies für Minderjährige zugänglich wird.“Dem entgegnete Jaroslaw Schelesnjak:
„Fragen Sie sie doch, was das Göttliche daran ist, eine Frau für zwei Jahre ins Gefängnis zu schicken, nur weil sie ihrem Ehemann an der Front ein eigenes Foto geschickt hat.“Danylo Hetmanzew kritisierte die Entscheidung scharf: „Ich schäme mich für diesen Beschluss meiner Kollegen. Das ist in Wahrheit enorm heuchlerisch.“
Die Befürworter der Entkriminalisierung führten unter anderem folgende Hauptargumente an:
- juristische Absurdität der aktuellen Regelung;
- Praxis der „verdeckten Anschaffungen“ durch Behörden;
- Notwendigkeit eines besseren Schutzes Minderjähriger.
In Ländern der Europäischen Union, in denen Pornografie legal ist, sind unter anderem Ungarn, Deutschland, Griechenland, Dänemark, Irland, Spanien, Zypern, Malta, Polen, die Niederlande, Finnland, Frankreich, Kroatien und Tschechien zu nennen. In der Ukraine bleibt die Lage hingegen angespannt, was die Dringlichkeit weiterer Diskussionen zu diesem Thema unterstreicht.
Das Scheitern des Gesetzesentwurfs Nr. 12191 zeigt, wie kontrovers und schwierig das Thema der Pornografie-Entkriminalisierung in der Ukraine ist. Die gesellschaftlichen Debatten, die zwischen den Rechten Erwachsener und dem Schutz Minderjähriger abwägen, bleiben im Fokus und erschweren klare Entscheidungen. Angesichts internationaler Erfahrungen und der Bedürfnisse der ukrainischen Gesellschaft wird die Auseinandersetzung mit dieser Frage wohl fortgesetzt werden.
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