Eriwans West-Kurs: Warum Paschinjan sich von Moskau abwendet.
Die politische Lage in Armenien
Nach Angaben von Espreso.tv: Armenien durchlebt derzeit einen tiefgreifenden Wandel, der durch geopolitische Verschiebungen, neue Wahlen, Drohungen aus dem Kreml und den wachsenden Einfluss des Westens geprägt ist. Im Oktober 2025 richtete Moskau eine neue Behörde ein – die Direktion für strategische Zusammenarbeit (SDA) –, die gezielt Einflussoperationen in Armenien steuern soll. Dieser Schritt zeigt, wie Russland seine Präsenz in der Region verstärkt, obwohl Eriwan bereits 2026 beschloss, seine Mitgliedschaft in der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) auszusetzen und den Abzug russischer Truppen aus dem Land zu fordern. Die Entwicklung markiert einen historischen Wendepunkt für die ehemalige Sowjetrepublik.
Schlüsselereignisse und Akteure
Ein Meilenstein war die Unterzeichnung einer Friedenserklärung zwischen Premier Nikol Paschinjan und dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Alijew im August 2025 in Washington. Dieses Abkommen gilt als wegweisend für die Beziehungen der beiden Länder, die durch bewaffnete Konflikte schwer belastet sind. Nur wenige Monate zuvor, im Juni 2025, durchsuchten Behörden Einrichtungen der Armenischen Apostolischen Kirche und nahmen Erzbischof Bagdasar Galstjan fest – ein Zeichen für den zunehmenden Druck auf religiöse Institutionen.
Paschinjans Sieg bei der Wahl am 7. Juni 2026 könnte die Region nachhaltig verändern. Die Abstimmung fand vor dem Hintergrund eines wachsenden westlichen Einflusses statt, der sich auch im achten Gipfel der Europäischen Politischen Gemeinschaft im Mai 2026 in Eriwan manifestierte. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron betonte damals, Armenien habe „wirklich eine Wahl getroffen“ und sich klar für die Zusammenarbeit mit westlichen Staaten entschieden.
Gleichzeitig hob Russlands Verteidigungsminister Sergej Schoigu hervor, dass die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Russland weiterhin das Rückgrat der armenischen Wirtschaft bilde. Präsident Wladimir Putin wiederum erklärte, die Ukraine-Krise habe mit den Beitrittsbemühungen Kiews zur Europäischen Union begonnen – eine Aussage, die als Warnung an andere postsowjetische Staaten wie Armenien verstanden werden kann.
Zu den zentralen Figuren auf der armenischen Bühne zählen:
- Nikol Paschinjan
- Ilham Alijew
- Donald Trump
- Samwel Karapetjan
- Robert Kotscharjan
- Gagik Zarukjan
Die folgenden Ereignisse haben die heutige Situation maßgeblich geprägt:
- Die Samtene Revolution von 2018
- Aserbaidschans „Antiterroroperation“ in Bergkarabach 2023
- Die Unterzeichnung der Friedenserklärung 2025
Armenien steht damit im Zentrum eines geopolitischen Umbruchs, der sowohl Risiken als auch Chancen für die Außenpolitik und innere Stabilität des Landes birgt. Die Lage bleibt angespannt, denn ein weiterer Vormarsch des Westens könnte eine scharfe Reaktion Moskaus provozieren. Die kommenden Monate werden zeigen, ob die Wahlen den Kurs des Landes endgültig in Richtung Europa lenken oder ob der Kreml seine Position doch noch behaupten kann.
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