Ukrainische Drohnen treffen Russlands Ölindustrie: Steuern und hohe Preise lassen Einnahmen dennoch steigen.
Weniger Wirkung als erhofft: Moskaus Ölstrategie trotzt den Angriffen
Nach Angaben von TSN.ua: Die Taktik Kiews, russische Ölanlagen mit Drohnen zu attackieren, scheint nicht den gewünschten Effekt zu erzielen. Grund dafür sind vor allem die gestiegenen Ölpreise sowie eine Neuausrichtung der russischen Steuergesetze. Beides sorgt dafür, dass die Einnahmen des Kremls aus dem Rohstoffverkauf weiter sprudeln. Aktuell sind zwar rund 40 Prozent der russischen Kapazitäten für den Rohölexport lahmgelegt, dennoch fließen weiterhin beträchtliche Summen in die Staatskasse.
Durch die Angriffe ukrainischer Drohnen werden täglich etwa zwei Millionen Barrel Öl nicht exportiert. Ein besonders schwerer Schlag gelang am 22. März 2023: Damals trafen Drohnen den Hafen von Primorsk, den größten Ölterminal Russlands an der Ostsee. Die Angriffe zielen darauf ab, die Exportmöglichkeiten des Landes zu beschneiden. Parallel dazu verarbeitet der Terminal in Ust-Luga jedoch weiterhin rund 700.000 Barrel pro Tag, was die Gesamtlage entscheidend mitprägt.
Wirtschaftliche Folgen für die russische Ölindustrie
Doch trotz der erlittenen Schäden hat Russland im Januar 2024 eine umfassende Steuerreform für die Ölbranche abgeschlossen. Kernpunkt war die Abschaffung der Exportzölle. Zusammen mit den hohen Weltmarktpreisen für Öl hat dies erhebliche Auswirkungen auf den Staatshaushalt. Für das Jahr 2025 verzeichnete der russische Föderalhaushalt Einnahmen von rund 108 Milliarden US-Dollar aus dem Ölgeschäft. Der durchschnittliche Preis für die russische Sorte Urals lag im gleichen Jahr zwischen 62 und 65 US-Dollar pro Barrel.
Inzwischen ist der Preis für Urals auf über 100 US-Dollar pro Barrel geklettert. Für März 2025 wird ein Durchschnittspreis von 85 bis 90 US-Dollar pro Barrel erwartet. Jeder Preisanstieg von zehn US-Dollar bei Urals bringt Russland zusätzliche monatliche Einnahmen von etwa 1,5 Milliarden US-Dollar allein aus der Förderabgabe. Diese Entwicklung zeigt, dass die wirtschaftlichen Erfolge der ukrainischen Angriffe auf die Ölindustrie begrenzt bleiben. Die veränderten Steuerregeln und die steigenden Rohölpreise federn die Verluste offenbar wirksam ab.
Die Ukraine steht damit vor einem komplexen Problem in ihrem wirtschaftlichen Kampf gegen Russland. Zwar können die Angriffe auf die Öl-Infrastruktur die Exportmengen senken. Die jüngsten Reformen Moskaus, wie der Wegfall der Exportzölle, sowie die global steigenden Ölpreise gleichen diese Einbußen jedoch wieder aus. Dies unterstreicht die Schwierigkeit eines Wirtschaftskrieges, dessen Ausgang nicht allein von militärischen Aktionen, sondern maßgeblich von den weltweiten Marktbedingungen bestimmt wird.
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