Kultur im Krieg: Warum Kunst flexibel sein muss – Ein Gespräch mit Vladyslav Troitskyi.
Die Lage der ukrainischen Kunst
Nach Angaben von UATV: Wie kann Kultur in Kriegszeiten relevant bleiben? Der ukrainische Theaterregisseur und Dramatiker Vladyslav Troitskyi analysiert die aktuelle Situation der Kunst in seinem Land. Sein zentrales Argument: Kulturelle Strukturen müssen beweglich sein, um dem von Russland erzeugten Chaos etwas entgegenzusetzen. Nur durch Anpassung an die Herausforderungen der Zeit bleibe Kultur wirksam und bedeutsam.
Vladyslav Troitskyi wurde 1964 in Russland geboren, zog aber im Alter von elf Jahren mit seiner Familie in die Ukraine. Sein Werdegang führte ihn über ein Studium am Polytechnischen Institut Kiew bis an die Russische Akademie für Theaterkunst. In den 1990er Jahren gründete er das Zentrum für zeitgenössische Kunst 'DAKH', das sich zu einem wichtigen Labor für neue Kunstformen entwickelte. Von 2003 bis 2006 vermittelte er sein Wissen zudem als Dozent an der Karpenko-Karyi-Universität für Theater, Film und Fernsehen in Kiew.
Experimentierfelder und neue Wege
Troitskyi ist auch der Gründer der Ethno-Chaos-Band 'DakhaBrakha' und des Festivals für zeitgenössische Kunst 'Gogolfest', die zu zentralen Plattformen für Experimente wurden. Dass das künstlerische Schaffen trotz aller Widrigkeiten weitergeht, zeigt die für 2022 in Danzig geplante Ausstellung 'Mariupol. Straße der Erinnerung und der Träume'.
'Uns fehlt es an Systematik. Unser Gegner arbeitet sehr systematisch.' — Vladyslav Troitskyi
Der Künstler kritisiert eine frühere Haltung: 'Die Ukraine dachte lange: Wir treiben in Richtung Europa, und dort wird sich alles lösen.' Als aktive Antwort auf die Gegenwart hat sein Team das Projekt 'Antidot' entwickelt, das bewusst auf Unterhaltung setzt – 'fröhlich und unbekümmert'. Dies zeigt den Willen, künstlerische Arbeit an die neuen Realitäten anzupassen und flexible, progressive Formate zu schaffen.
Die Diskussion macht deutlich: Kulturelle Anpassungsfähigkeit ist im Krieg überlebenswichtig. Initiativen wie 'Antidot' oder die fortgesetzte Ausstellungsarbeit beweisen, dass ukrainische Künstlerinnen und Künstler neue Ausdruckswege finden, um die Gesellschaft zu stützen. Diese Widerstandsfähigkeit der Kunst ist ein entscheidender Faktor in der Krise.
Eine bleibende Herausforderung ist die Frage nach besserer Organisation und Systematik im Kulturbereich, um äußeren Bedrohungen wirkungsvoller begegnen zu können.
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