55 Prozent mehr Mobbing an Schulen: Menschenrechtsbeauftragter sieht Schutzsystem gescheitert.
Mehr Fälle von Mobbing und Schikane in der Ukraine
Nach Angaben von Espreso.tv: Im Jahr 2025 ist in der Ukraine ein deutlicher Anstieg von Mobbing unter Schülerinnen und Schülern sowie von Schikane unter Lehrkräften zu verzeichnen. Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez stellt fest, dass das bestehende Schutzsystem seine Aufgaben nicht erfüllt. Nach Angaben seines Büros gingen im Jahr 2025 insgesamt 191 Beschwerden wegen Mobbing ein – ein Anstieg um 55 Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2024. Allein in den ersten fünf Monaten des Jahres wurden 122 solcher Meldungen registriert.
Lage bei Strafverfahren
Im Bereich der Strafverfolgung wurden 2025 insgesamt zwölf Ermittlungsverfahren zu Mobbingfällen eingeleitet. Diese Zahl unterstreicht die Schwere der Situation und die Dringlichkeit von Gegenmaßnahmen. Darüber hinaus wandten sich im selben Jahr 29 Lehrkräfte wegen Mobbing am Arbeitsplatz an den Ombudsmann; seit Jahresbeginn kamen 13 weitere Beschwerden von Pädagogen hinzu.
„Die steigende Zahl der Beschwerden ist ein direkter Beleg dafür, dass das Schutzsystem seine Funktion nicht erfüllt“ – Dmytro Lubinez.
Lubinez betont zudem, dass das tatsächliche Ausmaß des Problems weit größer sei und der Staat es bis heute nicht vollständig erfasse. Derzeit führt das Bildungsministerium keine zentrale Statistik über Mobbingvorfälle im Schulwesen, was die Kontrolle der Lage erschwert. Der Ombudsmann fordert die Einrichtung einer speziellen Behörde, die die Reaktion auf Mobbingfälle wirksam überwachen soll.
Der Anstieg von Mobbing und Schikane in der Ukraine weist auf tiefgreifende systemische Probleme im Bildungsbereich hin. Fehlende Dokumentation und unzureichende Aufsicht erschweren die Bewältigung des Problems. Ohne wirksame Reaktionen auf Gewaltvorfälle drohen negative Folgen für das psychologische Klima an Schulen und die Sicherheit aller Beteiligten. Die Schaffung einer spezialisierten Kontrollinstanz könnte ein entscheidender Schritt zur Verbesserung der Lage sein. Solche strukturellen Defizite bestehen bereits seit Jahren, ohne dass grundlegende Reformen eingeleitet wurden.
Lesen Sie auch
- Luftalarm legt Prüfungsablauf lahm: 129 Teilnehmer beendeten Test erst nach 21 Uhr in Odessa
- Rettung aus besetzten Gebieten und Russland: 60 Ukrainer in Sicherheit gebracht
- Ombudsmann Lubinez meldet vier Todesfälle von Eingezogenen in ukrainischen Rekrutierungszentren
- Lubinez nennt alarmierende Zahlen: Über 5,7 Millionen Ukrainer haben das Land verlassen
- 705 Kinder seit Beginn des Krieges getötet: Die Ukraine ehrt die Opfer russischer Aggression
- Wie ukrainische Bürger gegen Bescheide der Militärärztlichen Kommission vorgehen können – und wann der Gerichtsweg sinnvoll ist

