Identität gestärkt statt geschwächt: Wie der Krieg die Bindung ukrainischer Emigranten zur Heimat verändert.
Studie zur ukrainischen Emigration
Nach Angaben von Espreso.tv: Eine Untersuchung des Labors für soziologische Forschung am Institut für nationale Resilienz und Sicherheit zeigt ein überraschendes Ergebnis: Der Krieg hat die Verbindung vieler Ukrainer im Ausland zu ihrem Herkunftsland nicht gelockert, sondern im Gegenteil ihr nationales Bewusstsein gefestigt. Für die Studie wurden in Belgien, Frankreich, Italien, Deutschland und Polen insgesamt 100 ausführliche Gespräche mit ukrainischen Staatsbürgern geführt, die nun im Ausland leben.
Nach aktuellen Zahlen vom April 2026 halten sich rund 4,37 Millionen ukrainische Staatsangehörige in der Europäischen Union auf. Die größte Gemeinschaft lebt mit etwa 1,28 Millionen Menschen in Deutschland. Polen folgt mit rund 971.000 Ukrainern auf dem zweiten Platz. Weitere Länder mit bedeutenden Gemeinschaften sind:
- Belgien: 88.000
- Frankreich: 48.000
- Italien: 41.000
Rena Marutjan, Vertreterin des Instituts für nationale Resilienz und Sicherheit, betonte, dass die Ergebnisse der landläufigen Annahme widersprechen, wonach eine Auswanderung die Bindung zum Herkunftsland schwächt. Sie erklärte, dass das Leben im Ausland bei den meisten Befragten das ukrainische Selbstverständnis und das Zugehörigkeitsgefühl zur Nation sogar verstärkt.
Einfluss des hybriden Krieges
Parallel dazu wurde im Juni 2026 ein aktiver russischer Einfluss auf ukrainische Gemeinschaften festgestellt, der vor allem über anonyme Telegram-Kanäle erfolgt. Die Studie identifizierte ein ganzes System russischer hybrider Einflussnahme, das folgende Bereiche umfasst:
- kirchliche Kanäle
- pseudo-ukrainische Strukturen
- akademisch-kulturelle Präsenz
- digitale Desinformation
- Alltag und Lebensweise
- politische Lobbyarbeit
Trotz des starken Wunsches der Ukrainer im Ausland, ihre Verbindung zur Heimat zu bewahren, können diese Faktoren ihre Identität potenziell gefährden.
Die vom Institut für nationale Resilienz und Sicherheit durchgeführte Untersuchung belegt, dass Ukrainer im Ausland ihre nationale Identität trotz der Emigration aktiv aufrechterhalten. Dies ist nicht nur für das Verständnis soziokultureller Prozesse in der Diaspora von Bedeutung, sondern auch für die Entwicklung von Maßnahmen zur Unterstützung von Landsleuten jenseits der Grenzen. Die Bedrohung durch hybride Einflüsse aus Russland erfordert jedoch die Aufmerksamkeit und ein entschlossenes Handeln ukrainischer Institutionen, um die kulturelle Identität und das Erbe angesichts dieser modernen Herausforderungen zu schützen.
Lesen Sie auch
- Urenkel von Breschnew nach dem Dienst als Pionier im Krieg gegen die Ukraine gefangen genommen
- Muss man bei Aufschub zur Musterung? Und werden Einberufungsbescheide zugestellt?
- Tschernobyl-Opfer sollten ihre Renten prüfen: bis zu 2000 Griwna weniger möglich
- Akademische Auszeit kostet Studenten den Schutz vor Einberufung – wie eine Arbeitsplatzreservierung helfen kann
- 522 gefallene Verteidiger kehren in die Ukraine zurück: Details zur Rückführungsaktion
- Umfrage belegt enge Bindung der Ukrainer an die EU: So hoch ist der Anteil derer, die Verbundenheit spüren

