KI in den Gerichten der Ukraine: Warum der Algorithmus den lebendigen Richter nicht ersetzen kann.
Nach Angaben von ТСН: Das Gerichtssystem integriert allmählich Elemente der künstlichen Intelligenz, aber ihre unangemessene Nutzung kann ernsthafte Risiken schaffen und ist nicht in der Lage, Richter zu ersetzen.
Marina Barsuk, Richterin und Sprecherin des Nordappellationswirtschaftsgerichts, betont die Bedeutung menschlicher Kontrolle und Verantwortung, die nicht durch Algorithmen ersetzt werden können. Trotz der hohen Belastung der Richter sollte man in KI keine 'Alternative' zur richterlichen Entscheidung suchen.
„Sobald das Entscheidungszentrum auf einen Algorithmus verlagert wird, steht nicht nur das Schicksal eines einzelnen Menschen auf dem Spiel, sondern auch das Fundament der Unabhängigkeit der Judikative. Denn der Gerichtsprozess ist ein lebendiger Wettbewerb, in dem jede Seite sicher sein muss, dass die Entscheidung von einem denkenden Menschen und nicht von einem Algorithmus getroffen wird“, schreibt die Richterin.
Barsuk erinnert sich an Zeiten, als Entscheidungen manuell getroffen wurden und Kodizes mit Schere und Kleber aktualisiert wurden. Mit dem Aufkommen von Technologien wurde die Arbeit der Richter erleichtert, doch dies entband sie nicht von der Notwendigkeit, nachzudenken und Verantwortung für ihre Handlungen zu tragen.
„Ich erinnere mich gut an Zeiten, als Richter Entscheidungen von Hand schrieben und spezielle Abteilungen in den Gerichten arbeiteten, die Texte von Beschlüssen und Entscheidungen druckten. Später wichen die gedruckten Kodizes, deren Seiten mit ausgeschnittenen Änderungen versehen waren, elektronischen Ressourcen. Es war nicht mehr nötig, Ausschnitte zu machen, sie wurden automatisch aktualisiert. Damals konnte niemand auf die Idee kommen, einen Richter durch eine automatische Wissensbank zu ersetzen“, schrieb die Richterin.
In Anlehnung an den jüngsten Bericht der UNO über die Nutzung von KI in der Rechtsprechung erwähnt Barsuk, dass Algorithmen eine Reihe von Problemen schaffen können, einschließlich des Effekts der 'schwarzen Box', der das Verständnis der Entscheidungslogik erschwert.
Darüber hinaus werden Sprachmodelle der künstlichen Intelligenz mit großen Datenmengen trainiert, die Vorurteile, Fehler und Stereotypen enthalten. Dies kann den Ergebnissen eine Illusion der Objektivität verleihen, da die 'Maschine intelligenter zu sein scheint'.
„Wenn KI im Entscheidungsprozess verwendet wird oder sogar zur vorläufigen Bewertung des Sachverhalts, verlieren Gericht und Parteien die Möglichkeit, die Begründung zu überprüfen. Das Programm liefert basierend auf seiner algorithmischen Bewertung ein Ergebnis, das nicht nachgeprüft werden kann und dessen Kriterien für die Bildung dieser Position nicht verständlich sind, was den Prinzipien der Streitigkeit und Öffentlichkeit der Rechtsprechung widerspricht, da die Teilnehmer nicht nachvollziehen können, welche Kriterien das Ergebnis beeinflusst haben“, schreibt die Richterin in ihrem Artikel.
In der modernen Welt, in der Technologien zunehmend in verschiedene Lebensbereiche eindringen, ist es wichtig, ein Gleichgewicht zwischen Innovationen und traditionellen Prinzipien der Rechtsprechung zu wahren. Der Einsatz von künstlicher Intelligenz in Gerichten sollte mit größter Vorsicht erfolgen, wobei alle mit ihrer Anwendung verbundenen Risiken zu berücksichtigen sind. Die Worte von Marina Barsuk unterstreichen, dass der menschliche Faktor in der Rechtsprechung unverzichtbar bleibt und Technologien die Leitlinien der Gerechtigkeit ergänzen und nicht ersetzen sollten.
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