Der Ermittler des NABU, Ruslan Magamedrasulow, wurde aus der Haft entlassen: Einzelheiten des aufsehenerregenden Falls.
Nach Angaben von ТСН: Der Fall von Ruslan Magamedrasulow, dem Leiter der interregionalen Abteilung der Ermittler des NABU, hat sich als einer der lautesten im Kontext der Arbeit der Antikorruptionsbehörden erwiesen. Heute hat das Berufungsgericht Kiew die Entscheidung über seine Freilassung nach mehr als vier Monaten Haft getroffen. Gestern, am 3. Dezember, wurde auch sein Vater, Sentyabr Magamedrasulow, unter Hausarrest gestellt.
Festnahmen und erste Verdächtigungen
Am 21. Juli hat der Sicherheitsdienst der Ukraine zusammen mit der Generalstaatsanwaltschaft großangelegte Durchsuchungen unter den Mitarbeitern des NABU durchgeführt. Ruslan Magamedrasulow wurde festgenommen, auf den Boden geworfen, mit Handschellen gefesselt und die Ermittlungen wurden eingeleitet. Gleichzeitig fanden Durchsuchungen bei seinen Verwandten und anderen Bureau-Mitarbeitern statt.
Am selben Tag hat der SBU Verdachtsmomente für Verbrechen gegen die nationale Sicherheit gegen Ruslan Magamedrasulow und den Mitarbeiter Viktor Husarow erhoben. Infolgedessen wurde am 22. Juli der Pechersk-Gerichtshof gegen beide Verdächtigen sowie gegen Magamedrasulows Vater Haftbefehl erlassen.
Während dieses Prozesses verabschiedete die Werchowna Rada ein Gesetz, das die Unabhängigkeit des NABU und der spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft erheblich einschränkte, und begründete dies mit den Risiken des russischen Einflusses. Allerdings hat das Parlament nach Protesten und Kritik seitens internationaler Partner diese Änderungen zurückgenommen.
Der Direktor des NABU, Semen Krywonos, erklärte, dass die Durchsuchungen bei seinen Untergebenen wie ein Versuch ausgesehen haben, das Bureau vor der Abstimmung im Parlament zu diskreditieren.
Der „Hanf“-Fall und die Version der Ermittlungen
Ein zentraler Aspekt des Falls ist mit technischem Hanf verbunden. Laut den Ermittlungen soll Ruslan Magamedrasulow einen Plan zur Vermarktung von Hanfsamen nach Dagestan entwickelt haben, um der Ukraine zu schaden.
Die Ermittler behaupten, dass er seinen Vater und bekannte Agrarbetriebe einbezog. Ruslan bestätigte im Gericht, dass sein Vater Geschäftskontakte in diesem Bereich hatte.
Ein entscheidender Beweis war eine abgehörte Telefonkonversation, in der Magamedrasulow angeblich über die Samen sprach, die 'im Rahmen des staatlichen Programms von Dagestan benötigt werden'. Später gab er laut dem Staatsanwalt seinem Vater Anweisungen, ein kommerzielles Angebot vorzubereiten.
Laut den Ermittlungsdaten fand kein tatsächlicher Verkauf von Samen statt, aber ihre Aktionen wurden als 'Vorbereitung zur Unterstützung eines Aggressorstaat' eingestuft.
Beide Verdächtigen bestreiten ihre Schuld. Ruslan betonte, dass seine Familie aus Dagestan stamme, und bezüglich des Gesprächs am 10. Februar bemerkte er, dass es tatsächlich um Usbekistan ging, das Programme zur Unterstützung von Hanf hat.
Zweite Verdächtigung
Am 16. September wurde Ruslan Magamedrasulow eine neue Verdächtigung wegen 'Missbrauchs von Einfluss' erhoben. Den Ermittlungsdaten zufolge soll er die Bitte erhalten haben, Unternehmen zu helfen, ihre Aufnahme in die Liste der risikobehafteten Unternehmen zu verhindern.
Dies hätte ihnen die Möglichkeit gegeben, Finanztransaktionen in Höhe von etwa 30 Millionen Hrywnja durchzuführen. Magamedrasulow sprach über eine Belohnung in Höhe von 900.000 Hrywnja und wandte sich an einen ehemaligen hohen Beamten.
Die Verteidigung wies darauf hin, dass sie keine offiziellen Kopien dieser Korrespondenz erhalten hatte und nur aus dem Telegram-Kanal des SBU davon erfahren hatte.
Der Zeuge in der Sache wurde ebenfalls verdächtigt
Yusuf Mameshev, der Zeuge im Fall war, wurde selbst unter Verdacht gestellt, nachdem er falsche Zeugenaussagen gemacht hatte. Er behauptete, es gehe um Usbekistan, während die Ermittlungen auf Dagestan bestehen.
Das Gericht erließ gegen Mameshev eine Maßnahme der persönlichen Verpflichtung.
Die Rolle des Ermittlers in der Operation „Midas“
Parallel zum Strafverfahren war Ruslan Magamedrasulow an wichtigen antikorruptiven Ermittlungen beteiligt. Der Leiter der Gruppe von NABU-Ermittlern berichtete, dass er in die Untersuchung eines Betrugsverfahrens bei 'Energoatom' involviert war.
Änderungen der Sicherheitsmaßnahmen
Am 2. Dezember änderte das Pechersk-Gericht die Maßnahme für den Vater des Ermittlers und setzte ihn unter nächtlichen Hausarrest. Das Berufungsgericht hob auch die Maßnahme gegen Ruslan Magamedrasulow auf und entließ ihn nach mehreren Verschiebungen der Anhörung im Gerichtssaal.
Ruslan und sein Vater verbrachten über vier Monate im Gefängnis.
Die Freilassung von Ruslan Magamedrasulow und seinem Vater markiert ein wichtiges Ereignis in der Menschenrechtspraktik in der Ukraine. Der Fall, der eine erhebliche gesellschaftliche Resonanz erzeugte, wirft Fragen zur Transparenz und Gerechtigkeit in den Fällen auf, die mit den Antikorruptionsbehörden verbunden sind. Die Gerichtsverfahren könnten einen wichtigen Schritt zur Stärkung des gesellschaftlichen Vertrauens in die Antikorruptionsstrukturen in der Ukraine darstellen.
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