Der Arbeitskräftemangel in der Ukraine: Welche Branchen am stärksten betroffen sind.
Nach Angaben von ТСН: Die Wirtschaft der Ukraine steht unter ernstem Druck durch den drastischen Rückgang der verfügbaren Arbeitskräfte, was sich negativ auf den Verteidigungssektor und die Zivilsphäre auswirkt.
Mobilisierung, Abwanderung der Bevölkerung und Weigerung, Dienst zu leisten, haben zu einem Mangel an Arbeitskräften im Land geführt. In vielen Städten sind kaum Männer im einberufungsfähigen Alter geblieben.
Auswirkungen auf verschiedene Sektoren
Der Ökonom Oleg Pendzin stellt fest:
„Der Mangel an Menschen mit technischen Fähigkeiten und Ausbildung ist katastrophal“.Laut den Daten des Staatlichen Arbeitszentrums gibt es den größten Arbeitskräftemangel in den Bereichen Bildung, Transport, Maschinenbau, Möbelproduktion und Energieerzeugung.
Der Politologe Konstantin Batozky betont, dass Unternehmen mit ständiger Ungewissheit konfrontiert sind:
„Ihr Mitarbeiter kann jederzeit einberufen werden, und das ist ein Problem“.
Situation in den Regionen
In der Stadt Makiv in der Oblast Chmelnyzkyj gibt es nur sehr wenige Männer im einberufungsfähigen Alter: Ein Teil wurde mobilisiert, ein Teil ist ins Ausland gegangen, und die, die geblieben sind, meiden die Öffentlichkeit. Die örtliche Bewohnerin Kateryna sagt:
„Jungen, die am Computer arbeiten, können in ihrer Wohnung bleiben. Aber Arbeiter… gehen aus, um Geld für ihre Familie zu verdienen — und sie werden wie Vieh behandelt“.
Sie weist auch darauf hin, dass Frauen, aufgrund des Mangels an Männern, neue Fähigkeiten erlernen müssen:
„Es gibt niemanden, der das Grab für den Verstorbenen ausheben kann“.
Der Mangel an Arbeitskräften beunruhigt auch den Agrarsektor. Der Direktor des Ukrainischen Agrarbusiness-Clubs Oleg Khomenko berichtet:
„Durch die verstärkte Mobilisierung haben Traktoristen und Maschinenführer ihre Berufe in militärische gewechselt. Wir haben einen Mangel von bis zu 15%“.
Emigration und Anwerbung von Ausländern
Nach Schätzungen der Internationalen Arbeitsorganisation befinden sich etwa 1,6 Millionen arbeitsfähige Ukrainer derzeit außerhalb des Landes, hauptsächlich Frauen.
Oleg Pendzin erklärt:
„Wenn es uns gelingt, wenigstens 40% zurückzubringen — das wäre eine große Hilfe für die Wirtschaft“.
Der 17-jährige Danilo, der in Deutschland lebt, stellt fest:
„Wenn ich in meine Stadt zurückkehre — muss ich von vorne anfangen. Ich habe dort buchstäblich nichts“.
In der Ukraine werden Unity Hubs entwickelt, um den Ukrainern zu helfen, sich zu integrieren und die freiwillige Rückkehr zu erleichtern, wann immer dies möglich ist.
Einige Unternehmen haben angefangen, Arbeiter aus anderen Ländern anzuwerben. Zum Beispiel hat die Möbelwerkstatt Lamella in Tjachiv Arbeiter aus Bangladesch eingeladen.
Der kaufmännische Direktor des Unternehmens Yaroslav Shcherban erklärt:
„Wir haben viele Frauen — etwa 60% — die an kleinen Maschinen arbeiten, aber es gibt Positionen, wo männliche Arbeitskraft erforderlich ist“.
Der ehemalige Wirtschaftsminister Tymofiy Mylovanov glaubt, dass die Ukraine bis zu 10 Millionen Migranten für aktives Wirtschaftswachstum brauchen könnte. Gleichzeitig weist Konstantin Batozky darauf hin, dass es derzeit verfrüht ist, Prognosen zu machen:
„Zuerst müssen wir den Krieg überstehen, und dann die Bedürfnisse bewerten“.
Oleg Pendzin betont, dass der Schlüssel zur Lösung des Problems das Ende der Kampfhandlungen ist:
„Das Erste, was notwendig ist, um den Mangel an Arbeitskräften zu beseitigen — ist den Krieg zu beenden. Danach wird sich alles mit der Zeit ausgleichen“.
In Zeiten des Krieges steht die Ukraine vor erheblichen Herausforderungen im Bereich Beschäftigung. Der Abfluss der arbeitsfähigen Bevölkerung und die Mobilisierung erschweren nicht nur die Situation, sondern setzen auch viele Branchen der Wirtschaft aufs Spiel. Dennoch sucht das Land aktiv nach Lösungen, wie etwa der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte, um den Mangel an Fachkräften auszugleichen, und arbeitet an der Schaffung von Bedingungen für die Rückkehr der Ukrainer in die Zukunft.
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