Vater auf Abwegen: Wie eine Organisation gegen Bezahlung Kindesentführungen vorbereitet.
Geschäft mit dem Sorgerecht
Nach Angaben von TSN.ua: Das Rechercheprojekt 'Хапуга.ua' deckt auf, wie die Organisation 'Батько має право' (Vater hat Recht) und ihr Gründer Oleksandr Shvets für Geld Strategien zur Entfremdung von Kindern von ihren Müttern über Gerichtsverfahren anbieten. Shvets verlangt für seine Beratung zwischen 500 und 1000 Euro. Ein für den Prozess benötigtes psychologisches Gutachten kostet 600 Euro. Insgesamt kann das mehrjährige Vorgehen die Mandanten zwischen 3000 und 5000 Euro kosten und sich über drei bis vier Jahre hinziehen.
Fragwürdige Gutachten und betroffene Mütter
Zu den Betroffenen gehört Natalia Bolshova. Sie berichtet, dass das erste Gutachten in ihrem Fall von einer Person ohne Psychologie-Diplom erstellt wurde – ein schwerwiegendes Problem. Eine Überprüfung durch die Taras-Schewtschenko-Universität Kiew bestätigt, dass die verwendeten Methoden in der Fachliteratur nicht identifizierbar sind, was ihre Wirksamkeit und Legitimität infrage stellt.
Das Problem beschränkt sich nicht auf diesen Einzelfall. Die Psychologinnen Lyudmyla Fedosova, Tetiana Vakulych und Anna Kozlova tauchen in ähnlichen Fällen auf, was weitere Fragen zur Qualität ihrer Arbeit aufwirft. Der Kriminalpsychologe und Gerichtsgutachter Yuriy Irkhin kommentiert die Praxis kritisch:
'Es gibt leider diese beschämende Praxis, dass jede Person mit psychologischer Hochschulbildung jeden gewünschten Befund für jede der Parteien schreiben kann.' - Yuriy Irkhin
Lyudmyla Hrydkovets äußerte ihr Entsetzen: 'Ich will nicht einmal hinsehen… Die Leute werden bezahlt, die Leute arbeiten. Aber das hat meiner Meinung nach nichts mit der Würde eines Psychologen zu tun, sondern mit Geldverdienen.' Die Gutachten der Organisation wirken oft uniform, was Zweifel an ihrer Authentizität nährt. Solche Vorgänge zeigen, wie anfällig das System für Manipulationen in hochsensiblen Sorgerechtsstreitigkeiten ist.
Die Aktivitäten von 'Батько має право' stehen somit in massiver Kritik. Es besteht der Verdacht auf systematischen Missbrauch der Justiz und auf Verletzungen der Rechte von Kindern und Müttern. Die mangelnde Qualifikation einiger Beteiligter und die Anwendung nicht validierter Methoden gefährden nicht nur den rechtlichen Prozess, sondern auch die psychische Gesundheit der Opfer.
Der Fall wirft ein grelles Schlaglicht auf ein grundsätzliches Problem: den Einfluss fragwürdiger psychologischer Gutachten auf Gerichtsentscheidungen. Fachleute und Menschenrechtler sind alarmiert über die möglichen Manipulationen im Justizsystem. Dieser Skandal könnte ein Weckruf für eine dringend notwendige Überprüfung der Regeln sein, die die Tätigkeit von Psychologen in Gerichtsverfahren betreffen, um Kinder und Mütter besser zu schützen.
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